Ärzte Zeitung, 28.09.2010

Hintergrund

Langzeit-EKG wäre nach Schlaganfall dringend nötig

Wie lange sollte nach ischämischem Schlaganfall per EKG auf Vorhofflimmern untersucht werden? Neue Daten zeigen, dass mindestens sieben Tage optimal wären. Doch in der Praxis lässt sich das nur in manchen Fällen auch umsetzen.

Von Thomas Müller

Nach Apoplexie wäre ein Langzeit-EKG dringend nötig

Besteht Vorhofflimmern? Mit Hilfe eines Langzeit-EKGs lässt sich das klären.

© Klaro

Nach Schätzungen werden etwa 15 Prozent aller Schlaganfälle durch Vorhofflimmern verursacht, bei thromboembolischen Apoplexien ist daher eine besonders gründliche Untersuchung auf Vorhofflimmern nötig. Ein Teil der Patienten wird bereits in der Akutphase per EKG untersucht, hier fallen auch schon die meisten Patienten auf, bei denen der Herzrhythmus gestört ist.

Ein Viertel bis die Hälfte der Patienten mit Vorhofflimmern zeigt jedoch bei der Einweisung keine Herzrhythmus-Störungen - sie können allenfalls per Langzeit-EKG erfasst werden.

Die Frage ist: Wie lange sollte ein EKG angelegt werden um diese Patienten, die ohne Antikoagulation ein enormes Rezidiv-Risiko haben, zuverlässig herauszufiltern? So lässt sich mit dem üblichen 24-Stunden-EKG nur bei etwa vier Prozent der Schlaganfall-Patienten ein Vorhofflimmern detektieren, hat Dr. Rolf Wachter von der Uni Göttingen auf der Neurowoche in Mannheim berichtet, und das so Wachter, ist offenbar nicht ausreichend.

Der Kardiologe stellte in Mannheim Daten aus einer eigenen Studie mit über 280 Patienten nach ischämischem Schlaganfall vor. Bei 44 wurde schon bei der Aufnahme im EKG ein Vorhofflimmern nachgewiesen, die Übrigen erhielten ein Sieben-Tage-EKG.

Ergebnis: Das Langzeit-EKG konnten bei weiteren 28 Patienten - das waren 12,5 Prozent - ein Vorhofflimmern aufspüren, nach 24 Stunden war dies jedoch nur bei etwa vier Prozent der Fall gewesen. Die meisten der Patienten mit Vorhofflimmern wurden am dritten Tag im EKG auffällig, zu diesem Zeitpunkt hatten insgesamt bereits acht Prozent der Patienten einen auffälligen Herzrhythmus.

Für den Praxisalltag hält Professor Werner Hacke vom Uniklinikum Heidelberg solche Langzeit-EKGs jedoch kaum für praktikabel, nicht zuletzt, weil die Patienten meist nur drei bis vier Tage auf einer Stroke Unit sind und die Auswertung der EKGs sehr zeitaufwändig ist.

Da die Patienten jedoch während ihres stationären Aufenthalts meist kontinuierlich am EKG hängen, könnten diese Daten durch geeignete Programme und Geräte automatisch analysiert werden. So können viele EKGs Alarm schlagen, sobald ein Vorhofflimmern auftritt.

Damit kann man bis Tag Drei immerhin doppelt so viele Patienten mit Vorhofflimmern aufspüren wie mit einem 24-Stunden-EKG. Allerdings: Obwohl viele EKGs solche Warnfunktionen haben, ist es selbst auf Stroke Units bisher nicht immer üblich, diese auch zu nutzen.

Aus den Daten von Wachters Studie geht zudem hervor, dass vermutlich auch nach Tag Sieben noch neue Patienten mit Vorhofflimmern detektiert werden könnten. Derzeit wird eine Studie mit 450 Patienten geplant, die subkutan einen Detektor von der Größe eines USB-Sticks implantiert bekommen, der den Herzrhythmus zwei Jahre lang aufzeichnet. Die Daten können dabei telemedizinisch übertragen werden.

Ein weiteres Ergebnis aus Wachters Studie: Bei den Patienten mit Vorhofflimmern waren auch die Serumwerte des Biomarkers NT-proBNP erhöht, die meisten hatten Werte über 240 pg/ml. Hohe NT-proBNP sind der bislang beste Prädiktor dafür, innerhalb von 20 Jahren ein Vorhofflimmern zu entwickeln.

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