Ärzte Zeitung online, 08.09.2017

SCREEN-AF-Studie

Mit Mini-Monitor Herzflimmern auf der Spur

Kann mithilfe einer kontinuierlichen EKG-Aufzeichnung einem klinisch unauffälligen Vorhofflimmern frühzeitig auf die Spur gekommen werden? Eine Studie nimmt sich nun dieser Frage an und testet dazu ein neuartiges "Rhythmuspflaster".

Mit Mini-Monitor Herzflimmern auf der Spur

Für die EKG-Aufzeichnung wird ein Pflaster mit integrierter Aufzeichnungseinheit auf die Brust der Patienten geklebt.  

© iRhythm Technologies

GÖTTINGEN. Die Studie SCREEN-AF hat sich die Früherkennung von Vorhofflimmern bei älteren Patienten zum Ziel gesetzt, um durch rechtzeitige Gabe von Blutverdünnern das Schlaganfallrisiko zu mindern. Teilnehmer sind über 75-Jährige, die Bluthochdruck haben, aber bisher noch keine Anzeichen für eine Herzrhythmusstörung aufweisen, wie das Deutsche Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) mitteilt. Insgesamt sollen 405 Probanden an der Studie teilnehmen, die außer in Göttingen auch in Hamburg und Frankfurt laufen wird.

"Aus Vorstudien wissen wir, dass anfallartiges Vorhofflimmern bei Schlaganfallpatienten häufig ist. Jetzt wollen wir untersuchen, ob wir diese Herzrhythmusstörung in ähnlicher Häufigkeit bei älteren Patienten, die wegen Bluthochdruck vom Hausarzt behandelt werden, finden", erläutert Prof. Rolf Wachter, Universitätsklinikum Leipzig. Er leitet die Studie für Deutschland gemeinsam mit Prof. Eva Hummers-Pradier von der Universitätsmedizin Göttingen (UMG).

Pflaster mit Mini-Monitor im Einsatz

Das Besondere: In der Studie wird ein neues "Rhythmuspflaster" eingesetzt, das einen Mini-Monitor hat. Mit diesem kann der Herzrhythmus für bis zu zwei Wochen aufgezeichnet werden. Gegenüber herkömmlichen Langzeit-EKG sei diese Aufzeichnungsform weniger belastend und erlaube zum Beispiel auch Duschen, ohne dass das Pflaster entfernt werden müsse, so das DZHK. Zusätzlich messen die Studienteilnehmer zweimal täglich ihren Blutdruck mit einem Blutdruckmessgerät, das für den häuslichen Einsatz geeignet ist.

"Neben der Frage, wie oft wir Vorhofflimmern finden, möchten wir auch herausfinden, wie häufig und wie lange man messen muss, um alle Fälle zu erfassen", erläutert Wachter den Studienablauf. Deshalb werden die 14-tägigen EKG-Aufzeichnungen und Blutdruck-Messungen nach drei Monaten wiederholt und nach sechs Monaten untersucht der Hausarzt nochmals das Herz der Patienten.

Erster Schritt für ein Vorsorgeprogramm

"Außer dem Management von Risikofaktoren wie Übergewicht, hohe Blutfettwerte oder Bluthochdruck, gibt es derzeit keine Vorsorgeprogramme, um das Risiko für Schlaganfälle in Folge von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu reduzieren", so Wachter in der DZHK-Mitteilung. Die Studie SCREEN-AF sei ein erster Schritt, um ein solches Programm für die Primärprävention des Schlaganfalls zu entwickeln. Sie findet in Kooperation mit dem kanadischen C-SPIN-Netzwerk statt, das die Studie gemeinsam mit dem DZHK finanziert. (run)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Alltags-Chemikalien schaden dem Sperma

In einer Studie an Spermien haben Forscher schädliche Effekte von Alltagschemikalien festgestellt. Problematisch: Die Einzelstoffe potenzieren ihre Wirkung gegenseitig. mehr »

Das läuft falsch bei der Diabetes-Vorsorge

Viele Versuche, Diabetes und Adipositas vorzubeugen, sind zum Scheitern verurteilt: Gesundheitstage an Schulen und eine Zuckersteuer gehören dazu. Diabetes-Experte Prof. Stephan Martin würde die Ressourcen anders verteilen. mehr »

Vorsicht vor E-Mail-Anhängen und Links!

Die meisten Cyber-Angriffe laufen über das elektronische Postfach - daher ist ein gesundes Misstrauen bei jeder E-Mail wichtig, betont Sven Weizenegger. Der Profi-Hacker gibt im Interview Tipps, worauf zu achten ist. mehr »