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Hepatitis-B-Test für Schwangere wichtig

Jedes Jahr werden 3000 bis 5000 Kinder geboren, deren Mutter eine chronische Hepatitis B hat. Das hat Konsequenzen für das Neugeborene: Eine aktive und passive Immunisierung senkt das Transmissionsrisiko für den Nachwuchs deutlich.

Von Michael Hubert Veröffentlicht:
Eine Virushepatitis kann aufs Kind übertragen werden.

Eine Virushepatitis kann aufs Kind übertragen werden.

© Suharjoto / fotolia.com

LÜBECK. Mütterliche Virusinfektionen sind in der Schwangerschaft vergleichsweise selten, sie stellen aber eine potenzielle Gefahr sowohl für den Feten in utero als auch das Neugeborene dar.

"Den durch Viren bedingten Hepatitiden kommt hierbei eine besondere Bedeutung zu", schreiben Dr. Jan Weichert vom Uniklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, und seine Kollegen (Der Gynäkologe 2011; 44: 615).

Die Hälfte der chronischen Virusträger haben einen Migrationshintergrund

Die vertikale Transmission des Hepatitis-B-Virus (HBV) und die Infektion durch ungeschützten Geschlechtsverkehr seien heutzutage die wesentlichen Übertragungswege. Auch kontaminierte Tätowier- und Piercingbestecke oder Akupunkturnadeln seien aufgrund der hohen Kontagiosität des HBV denkbare Infektionsquellen, so die Gynäkologen.

Das Reservoir für Hepatitis-B-Viren bildeten vor allem symptomarme oder symptomlose chronisch HBV-infizierte Menschen (HBsAg-positiv). Die Prävalenz einer chronischen HBV-Infektion wird in Deutschland mit 0,4 bis 0,8 Prozent angegeben, das entspricht etwa 500.000 Menschen.

Die Hälfte der chronischen Virusträger habe einen Migrationshintergrund. In Ost- und Südeuropa sind bis zu acht Prozent der Bevölkerung chronisch HBV-infiziert.

Bis zu 5300 Kinder von HBV-infizierten Müttern pro Jahr

Bei einer Geburtenzahl von rund 650.000 pro Jahr sei davon auszugehen, dass pro Jahr zwischen 2600 und 5300 Kinder von HBV-infizierten Müttern geboren werden. Ohne Immunprophylaxe bei Neugeborenen HBsAg-positiver Mütter werden bei etwa 90 Prozent der Kinder chronische Verläufe beobachtet.

Eine umfassende, alle prä- und perinatalen Aspekte berücksichtigende Beratung bei serologischem Virusnachweis ist obligat, um die existenziellen Ängste der werdenden Eltern aufzugreifen und abzubauen, so Weichert und seine Kollegen.

Mutterschaftsrichtlinien: HBV-Screening jenseits der 32. SSW

In den Mutterschaftsrichtlinien ist daher ein generelles HBV-Screening (HBsAg) jenseits der vollendeten 32. SSW festgeschrieben worden. Neugeborene HBsAg-positiver Mütter müssen binnen der ersten zwölf Lebensstunden eine simultane Aktiv-Passiv-Immunisierung erhalten.

Nach einem Monat sowie nach sechs Monaten erfolgt eine Auffrischung. Das Transmissionsrisiko kann so auf deutlich unter fünf Prozent gesenkt werden. Nach derzeitigem Kenntnisstand könnten so geimpfte Kinder gestillt werden, schreiben die Gynäkologen in ihrem Übersichtsartikel.

Zwischen 20 und 40 Prozent

Bei der Hepatitis C werde davon ausgegangen, dass das Virus bei bis zu fünf Prozent der Kinder HCV-RNA-positiver Mütter vertikal übertragen wird - je nach der Viruslast bei Geburt. Die perinatalen Infektionsraten seien bei gleichzeitiger maternaler Koinfektion mit dem HI-Virus deutlich höher, sie lägen zwischen 20 und über 40 Prozent.

Eine generelle Empfehlung für eine primäre Schnittentbindung, besonders bei niedriger Viruslast, bestehe nicht, so Weichert und Kollegen. In Ermangelung evidenzbasierter Daten sollte bei hoher Viruslast oder koinzidenter HIV-Infektion eine Sectio caesarea erwogen werden.

Obwohl HCV-RNA in Muttermilch und Kolostrum nachgewiesen werden konnte, ist die Rate an vertikaler Virustransmission scheinbar nicht erhöht. Neuere Untersuchungen konnten dagegen selbst bei Virämie der Mutter keine Virus-RNA in Milchproben nachweisen.

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