Direkt zum Inhaltsbereich

EU-Behörde

Fast neun Millionen nosokomiale Infektionen jährlich

Infektionen in Krankenhäusern und Pflegeheimen sind in Europa ein großes Problem. Jährlich infizieren sich dort rund neun Millionen Bürger, berichtet die EU-Seuchenbehörde. Die Gründe: Übermäßiger Einsatz von Antibiotika und Mängel bei der Infektionskontrolle.

Wolfgang GeisselVon Wolfgang Geissel Veröffentlicht:
Antibiotika-resistente Keime werden zunehmend zum Problem in Kliniken und Pflegeheimen.

Antibiotika-resistente Keime werden zunehmend zum Problem in Kliniken und Pflegeheimen.

© cassis / stock.adobe.com

SOLNA. Der Umgang mit Antibiotika ließe sich deutlich optimieren, betont das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) in einer Mitteilung zum Europäischen Antibiotikatag am 18. November.

Belege und Hinweise dafür gibt es aus zwei Untersuchungen von 2016 und 2017 in Krankenhäusern und Pflegeheimen im Europäischen Wirtschaftsraum (EU/EEA). Das ECDC hat die Studien jetzt zu dem Gesundheitstag veröffentlicht (Euro Surveill. 2018; online 15. November).

In den sogenannten „point-prevalence“ Untersuchungen waren zu bestimmten Stichtagen in den beiden Jahren in Krankenhäusern und Pflegeheimen die Anteile der Patienten mit Antibiotika-Therapie und mit nosokomialen Infektionen erhoben worden.

Daten von 1209 Kliniken mit über 310.000 Patienten und 1788 Pflegeheimen mit über 102.000 Bewohnern gingen in die Untersuchungen ein.

 

Antibiotikatag

Europäischer Antibiotikatag Der Tag zur Förderung der öffentlichen Gesundheit findet jedes Jahr am 18. November statt.

Ziel ist das Bewusstsein für die Bedrohung durch Resistenzen zu schärfen und über die umsichtige AntibiotikaAnwendung zu informieren.

Mehr Informationen gibt es auf der ECDC-Webseite.

Die Studien belegen große Unterschiede beim Einsatz von Antibiotika zwischen den verschiedenen Ländern.

Zudem sind nosokomiale Infektionen ein großes Problem: Ihre Zahl wird in Europa auf 8,9 Millionen Fälle pro Jahr geschätzt, so das ECDC in einer Mitteilung.

Übermäßiger Einsatz von Antibiotika verbunden mit ungenügender Infektionskontrolle begünstigt aber die Entstehung und Verbreitung multiresistenter Erreger, so das ECDC.

„Mit etwa 33.000 Toten durch resistente Erreger jedes Jahr in Europa und einer Milliarde Euro Gesundheitsausgaben wegen solcher Keime müssen wir den sorgfältigen Umgang mit Antibiotika und wirksame Maßnahmen zur Infektionskontrolle überall in Europa sicherstellen“, wird ECDC-Direktorin Dr. Andrea Ammon in der Mitteilung zitiert.

An dieser Stelle finden Sie Inhalte aus Datawrapper Um mit Inhalten aus Datawrapper zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir Ihre Zustimmung. Ich bin damit einverstanden, dass mir Inhalte aus Sozialen Netzwerken und von anderen Anbietern angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät notwendig. Weitere Information dazu finden Sie hier.

Oftmals unnötiger Antibiotika-Einsatz

In den aktuellen Studien werden Hinweise auf unnötigen Antibiotika-Einsatz aufgedeckt. So variiert der Anteil der Breitspektrum-Antibiotika an den verwendeten Antiinfektiva je nach Land von 16 bis 62 Prozent. Auch Deutschland liegt hier mit etwa 40 Prozent deutlich über EU/EEA-Schnitt.

Mehr als jede zweite Antibiotika-Prophylaxe vor einem chirurgischen Eingriff wurde zudem über mehr als einen Tag fortgeführt, obwohl dies nicht empfohlen wird, wobei Deutschland mit etwas weniger als 50 Prozent knapp unter dem Schnitt in Europa liegt.

In Pflegeheimen wurden europaweit 29 Prozent der Antibiotika als Prophylaxe verschrieben, und zwar zu drei Vierteln zur Vorbeugung von Harnwegsinfektionen.

Dies könne zwar bei einzelnen Frauen die Infektionsgefahr verringern, es gebe aber keine Evidenz für den breiten Einsatz bei alten Menschen, so das ECDC. Deutschland liegt hier mit elf Prozent Prophylaxe allerdings deutlich unter Durchschnitt.

Das ECDC ist auch besorgt über die vielen nosokomialen Infektionen. Jeder 15. Krankenhauspatient und jeder 26. Pflegeheim-Bewohner hatte in den Studien eine mit der medizinischen Betreuung assoziierte Infektion. Viele Erkrankungen davon wurden durch einen multiresistenten Erreger ausgelöst.

Wir haben den Beitrag aktualisiert am 15.11.2018 um 15:40 Uhr.

Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Vaginalmykosen neu denken: Pathogenese, Zyklus und Therapie

© piyato | iStock

Vaginalmykose im Fokus

Vaginalmykosen neu denken: Pathogenese, Zyklus und Therapie

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Intimhygiene: Was die vaginale Schleimhaut wirklich braucht

© iStock / okskukuruza

Vaginale Gesundheit

Intimhygiene: Was die vaginale Schleimhaut wirklich braucht

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Dr. med. Gerhard M. Sontheimer (ANregiomed, Region Ansbach) und Holger Baumann (Kliniken der Stadt Köln, v.l.) haben in der Praxis gute Erfahrungen mit Systempartnerschaften gemacht.

© Philips

Mehr Spielraum für moderne Prozesse in der Klinik

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Philips GmbH Market DACH, Hamburg
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Komplexe Gemengelage

COVID-Prophylaxe 2.0: Das gilt bei der Abrechnung

Robert Koch-Institut

Erster Nachweis von Sindbis-Fieber in Deutschland

Lesetipps
Eine Frau sitzt mit einer brennenden Zigarette hinter dem Lenkrad ihres Autos.

© Peter Steffen/dpa

DEGAM-Kongress

Wie viele KHK-Patienten rauchen?

Viele Gespräche, sich viel Zeit nehmen – das setzt eine Suizidassistenz voraus.

© Lumos sp / stock.adobe.com

Begleitetes Sterben

Suizidassistenz gewinnt Bedeutung in deutschen Hausarztpraxen