Direkt zum Inhaltsbereich

Checkpoint-Hemmer

Nach Antibiose weniger Erfolg mit der Krebstherapie

Krebspatienten müssen einer britischen Studie zufolge mit einer schlechteren Therapieantwort auf einen Checkpoint-Hemmer und kürzerem Gesamtüberleben rechnen, wenn sie im Vorfeld der Immuntherapie antibiotisch behandelt worden sind.

Von Christine Starostzik Veröffentlicht:
Was verschlechtert die Erfolgschancen einer Krebsbehandlung nach der Antibiose?

Was verschlechtert die Erfolgschancen einer Krebsbehandlung nach der Antibiose?

© Robert Kneschke / stock.adobe.com

London. Wenn Breitbandantibiotika die Darmflora durcheinanderbringen, kann die entstandene Dysbiose offenbar die Wirkung von Checkpoint-Inhibitoren bei onkologischen Patienten beeinträchtigen. Inwieweit der Zeitpunkt der Antibiotikatherapie Einfluss auf das Gesamtüberleben und die Therapieantwort nehmen, haben jetzt Dr. David Pinato vom Imperial College London und Kollegen in einer prospektiven, multizentrischen Kohortenanalyse untersucht (JAMA Oncol 2019; online 12. September).

81% der Patienten nach vorangegangener Antibiotikatherapie sprachen nicht auf einen Checkpoint-Hemmer an, aber nur 44 Prozent der Patienten ohne Antibiose.

Sie schlossen 196 Krebspatienten mit zumeist metastasierter Erkrankung, die routinemäßig mit Checkpoint-Inhibitoren (meist PD-1- und PD-L1-Inhibitoren) behandelt wurden, zwischen Januar 2015 und April 2018 in die Studie ein. 119 der durchschnittlich 68-Jährigen waren an einem nichtkleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) erkrankt, 38 an einem Melanom und die restlichen Patienten an weiteren Malignomen. 29 Patienten erhielten – meist zur Behandlung von Infekten des Respirationstrakts – bis zu 30 Tage vor Beginn der Therapie mit einem Checkpoint-Inhibitor für maximal sieben Tage ein Antibiotikum (22 davon ein Betalactam); 68 Patienten parallel dazu (39 davon ein Betalactam).

Antibiotikaklasse ohne Einfluss

Ein Effekt auf die Lebenszeit zeigte sich nur bei Patienten, die im Vorfeld der Checkpoint-Inhibitor-Therapie antibiotisch behandelt worden waren, nicht bei denjenigen mit gleichzeitiger Therapie. Während Krebspatienten mit vorheriger Antibiotikabehandlung nur zwei Monate überlebten, betrug das Gesamtüberleben ohne Antibiotikatherapie 26 Monate. Nach der antiinfektiösen Therapie war das Sterberisiko 7,4-fach erhöht.

In der Detailanalyse ergab sich folgendes Bild für das Gesamtüberleben gegenüber den Kontrollen ohne Antibiotikatherapie: NSCLC 2,5 versus 26 Monate; Melanom 3,9 versus 14 Monate; andere Tumorarten 1,1 versus 11 Monate. Zudem sprachen nach vorangegangener Antibiotikatherapie deutlich mehr Patienten nicht auf den Checkpoint-Hemmer an (81 Prozent versus 44 Prozent).

In der multivariaten Analyse bestätigte sich der unabhängige Zusammenhang zwischen dem Gesamtüberleben und der vorangegangenen Antibiotikatherapie beziehungsweise der Therapieantwort auf den Checkpoint-Hemmer. Darüber hinaus nahmen weder die Art des Tumors noch das Krankheitsstadium, der Zustand des Patienten, die Antibiotikaklasse oder eine Kortikosteroidtherapie Einfluss auf das Gesamtüberleben und die Therapieantwort auf den Checkpoint-Hemmer.

Verändertes Mikrobiom

Breitbandantibiotika könnten das Ökosystem des Darms nachhaltig stören, schreiben Pinato und Kollegen. Die geschwächte Immunantwort zytotoxischer T-Zellen auf den Tumor könne möglicherweise zu dem negativen Effekt der Antibiotikatherapie auf den Verlauf von Immuntherapien beitragen. Um die Zusammenhänge zwischen antibiotikabedingten Veränderungen der Darmflora und dem schlechteren Outcome von Patienten unter Checkpoint-Inhibitoren zu klären, so Pinato und Kollegen, seien jedoch noch dringend weitere Studien erforderlich.

Schlagworte:
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

© robertprzybysz | iStock

Persistierende Onychomykosen

Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

© Domepitipat | iStock

Lebensqualität zurückgewinnen

Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Pityriasis versicolor

© iStock / C5C

Kleienpilzflechte im Sommer

Pityriasis versicolor sicher erkennen und gezielt behandeln

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Dr.med. Franz-Josef Wittstamm 15.10.201907:37 Uhr

Henne oder Ei

Tritt bei metastasierten Krebspatienten ein fieberhafter Infekt auf, darf dies als Hinweis auf eine bereits geschwächte Immunabwehr gedeutet werden. So ist die Prognose schon allein dadurch deutlich reduziert, auch ohne die vermutete Interaktion.

Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: MS-Krankheitsdynamik: Patientinnen und Patienten bewegen sich von frühen Stadien über Phasen fokaler Entzündung in fortgeschrittene, meist irreversible Stadien

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [4]

Multiple Sklerose heute

Praxisrelevante Daten im Fokus

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Abb. 1: Studie MajesTEC-3: progressionsfreies Überlebenc

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Neue Therapieoption beim rezidivierten oder refraktären Multiplen Myelom (RRMM)

Teclistamab-Daratumumab erzielt bislang unerreichten PFS-Vorteil bei RRMM ab dem 1. Rezidiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Janssen-Cilag GmbH, a Johnson & Johnson company, Neuss
Abb. 1: MATTERHORN-Regime beim GC/GEJC: ereignisfreies Überleben (EFS)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [10]

Perioperativ behandeln – kurativ denken

Durvalumab-basierte Therapie bei drei Tumorentitäten

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Risikopatienten identifizieren

Osteoporose: So verhindern Sie die (nächste) Fraktur

Ein Jahr ePA

Hausarzt berichtet: „ePA gehört zum Praxisalltag“

Lesetipps
Schematische Darstellung der Lunge mit Bakterienbesiedlung.

© Working Moments / stock.adobe.com

Mikrobiomforschung

Atemwegs-Dysbiose befeuert Lungenerkrankungen