Checkpoint-Hemmer

Nach Antibiose weniger Erfolg mit der Krebstherapie

Krebspatienten müssen einer britischen Studie zufolge mit einer schlechteren Therapieantwort auf einen Checkpoint-Hemmer und kürzerem Gesamtüberleben rechnen, wenn sie im Vorfeld der Immuntherapie antibiotisch behandelt worden sind.

Von Christine Starostzik Veröffentlicht: 14.10.2019, 15:37 Uhr
Was verschlechtert die Erfolgschancen einer Krebsbehandlung nach der Antibiose?

Was verschlechtert die Erfolgschancen einer Krebsbehandlung nach der Antibiose?

© Robert Kneschke / stock.adobe.com

London. Wenn Breitbandantibiotika die Darmflora durcheinanderbringen, kann die entstandene Dysbiose offenbar die Wirkung von Checkpoint-Inhibitoren bei onkologischen Patienten beeinträchtigen. Inwieweit der Zeitpunkt der Antibiotikatherapie Einfluss auf das Gesamtüberleben und die Therapieantwort nehmen, haben jetzt Dr. David Pinato vom Imperial College London und Kollegen in einer prospektiven, multizentrischen Kohortenanalyse untersucht (JAMA Oncol 2019; online 12. September).

81% der Patienten nach vorangegangener Antibiotikatherapie sprachen nicht auf einen Checkpoint-Hemmer an, aber nur 44 Prozent der Patienten ohne Antibiose.

Sie schlossen 196 Krebspatienten mit zumeist metastasierter Erkrankung, die routinemäßig mit Checkpoint-Inhibitoren (meist PD-1- und PD-L1-Inhibitoren) behandelt wurden, zwischen Januar 2015 und April 2018 in die Studie ein. 119 der durchschnittlich 68-Jährigen waren an einem nichtkleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) erkrankt, 38 an einem Melanom und die restlichen Patienten an weiteren Malignomen. 29 Patienten erhielten – meist zur Behandlung von Infekten des Respirationstrakts – bis zu 30 Tage vor Beginn der Therapie mit einem Checkpoint-Inhibitor für maximal sieben Tage ein Antibiotikum (22 davon ein Betalactam); 68 Patienten parallel dazu (39 davon ein Betalactam).

Antibiotikaklasse ohne Einfluss

Ein Effekt auf die Lebenszeit zeigte sich nur bei Patienten, die im Vorfeld der Checkpoint-Inhibitor-Therapie antibiotisch behandelt worden waren, nicht bei denjenigen mit gleichzeitiger Therapie. Während Krebspatienten mit vorheriger Antibiotikabehandlung nur zwei Monate überlebten, betrug das Gesamtüberleben ohne Antibiotikatherapie 26 Monate. Nach der antiinfektiösen Therapie war das Sterberisiko 7,4-fach erhöht.

In der Detailanalyse ergab sich folgendes Bild für das Gesamtüberleben gegenüber den Kontrollen ohne Antibiotikatherapie: NSCLC 2,5 versus 26 Monate; Melanom 3,9 versus 14 Monate; andere Tumorarten 1,1 versus 11 Monate. Zudem sprachen nach vorangegangener Antibiotikatherapie deutlich mehr Patienten nicht auf den Checkpoint-Hemmer an (81 Prozent versus 44 Prozent).

In der multivariaten Analyse bestätigte sich der unabhängige Zusammenhang zwischen dem Gesamtüberleben und der vorangegangenen Antibiotikatherapie beziehungsweise der Therapieantwort auf den Checkpoint-Hemmer. Darüber hinaus nahmen weder die Art des Tumors noch das Krankheitsstadium, der Zustand des Patienten, die Antibiotikaklasse oder eine Kortikosteroidtherapie Einfluss auf das Gesamtüberleben und die Therapieantwort auf den Checkpoint-Hemmer.

Verändertes Mikrobiom

Breitbandantibiotika könnten das Ökosystem des Darms nachhaltig stören, schreiben Pinato und Kollegen. Die geschwächte Immunantwort zytotoxischer T-Zellen auf den Tumor könne möglicherweise zu dem negativen Effekt der Antibiotikatherapie auf den Verlauf von Immuntherapien beitragen. Um die Zusammenhänge zwischen antibiotikabedingten Veränderungen der Darmflora und dem schlechteren Outcome von Patienten unter Checkpoint-Inhibitoren zu klären, so Pinato und Kollegen, seien jedoch noch dringend weitere Studien erforderlich.

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Kommentare
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Dr.med. Franz-Josef Wittstamm

Henne oder Ei

Tritt bei metastasierten Krebspatienten ein fieberhafter Infekt auf, darf dies als Hinweis auf eine bereits geschwächte Immunabwehr gedeutet werden. So ist die Prognose schon allein dadurch deutlich reduziert, auch ohne die vermutete Interaktion.


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