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Epilepsie-Studie

Frühe Gehirn-Op verhindert Epilepsie-Anfälle

Epilepsie-Patienten, die mit Medikamenten nicht anfallsfrei werden, kann eine Gehirnoperation heilen.

Veröffentlicht:
Ist per EEG und anderen bildgebenden Verfahren die Gehirnregion identifiziert, die epileptische Anfälle bedingt, kann oft eine Operation helfen. In einer aktuellen Studie war der Eingriff bei 65 Prozent aller operierten Kinder erfolgreich.

Ist per EEG und anderen bildgebenden Verfahren die Gehirnregion identifiziert, die epileptische Anfälle bedingt, kann oft eine Operation helfen. In einer aktuellen Studie war der Eingriff bei 65 Prozent aller operierten Kinder erfolgreich.

© mujdatuzel / Getty Images / iStock

ERLANGEN. Im Schnitt erreichen 6 von 10 Patienten durch einen Eingriff Anfallsfreiheit. Durchschnittlich bekommen Patienten aber 16 Jahre lang Medikamente, bevor sie operiert werden. Dies zeigt die Auswertung der Daten von knapp 10.000 Patienten, die unter Federführung deutscher Neuropathologen, Neurologen und Neurochirurgen in der Fachzeitschrift "The New England Journal of Medicine" (DOI: 10.1056/NEJMoa1703784) veröffentlicht worden ist. Voraussetzung ist, den Ursprung der Anfälle mittels EEG, Kernspintomografie (MRT) und anderen Verfahren zu erfassen und die spezifische Hirnregion komplett zu entfernen.

Nach Schätzungen kommen für den operativen Eingriff mehrere Zehntausend Patienten in Deutschland in Frage, wie die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) mitteilt. "Allerdings zögern viele Ärzte und Patienten, weil sie einen hirnchirurgischen Eingriff nur als letzten Ausweg betrachten", erklärt Professor Holger Lerche, Koautor der Studie und Ärztlicher Direktor der Abteilung Neurologie der Uni Tübingen in einer Pressemitteilung. Dabei machten moderne Operationstechniken die Epilepsiechirurgie in spezialisierten Zentren zu einem sehr sicheren Verfahren.

65 Prozent der Kinder anfallsfrei

Nach dem Eingriff waren 65 Prozent aller operierten Kinder und 58 Prozent der Erwachsenen von ihren Anfällen befreit. "Das belegt, welchen wichtigen Beitrag die Operation zur Behandlung dieses EU-weit relevanten Krankheitsbilds leisten kann", erläutert Professor Peter Vajkoczy, Direktor der Neurochirurgischen Klinik der Charité, Berlin in der DGN-Mitteilung.

Die Auswertung der EU-finanzierten Datenbank zeigt auch, dass

  • 75,9 Prozent aller Patienten ihren ersten Anfall vor dem 18. Lebensjahr erlitten,
  • 72,5 Prozent im Erwachsenenalter und nur 27,5 Prozent bereits als Kinder operiert wurden,
  • Männer und Frauen annähernd gleich häufig betroffen waren und
  • im Großteil der Fälle (71,9 Prozent) der Schläfenlappen operiert wurde.

Nachweis epilepsieauslösender Hirnveränderungen

"Man sollte Patienten, die eine hohe Heilungschance haben, so früh wie möglich identifizieren und operieren", kommentiert Professor Jörg Wellmer, Leiter der Ruhr-Epileptologie an der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Knappschaftskrankenhaus Bochum das Ergebnis.

So beginnen drei Viertel aller Epilepsien bereits im Kindesalter. Für diese Kinder geht viel berufliche und soziale Perspektive verloren, wenn eine Operation erst als letzte Behandlungsoption nach dem Scheitern jeder Arzneimitteltherapie betrachtet wird.

"Bei Patienten, die klar definierte epileptogene Läsionen aufweisen, sollte deren zuverlässige Identifikation mittels MRT vor einer möglichen Operation im Fokus der Diagnostik stehen", betont daher Wellmer. In der Studie fand sich in 92,3 Prozent der während der Operation entnommenen Gewebeproben geschädigtes Gewebe. Am häufigsten war mit 36,4 Prozent ein Verlust von Nervenzellen im Hippocampus (Hippocampussklerose). Weitere häufige Diagnosen waren niedriggradige Tumoren (23,6 Prozent) und Fehlbildungen der Hirnrinde (19,8 Prozent).

Konsequenz: früh zum Spezialisten

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN), die Deutsche Gesellschaft für Epileptologie (DGfE) und die Deutsche Gesellschaft für Neuropathologie und Neuroanatomie (DGNN) fordern angesichts dieser Zahlen ein Umdenken bei der Behandlung von Epilepsien. Nach der Definition der Internationalen Liga gegen Epilepsie (ILAE) von 2010 gilt ein Patient, der nach Behandlungsversuchen mit mindestens zwei Medikamenten in ausreichender Dosierung nicht anfallsfrei wird, bereits als pharmakoresistent. Danach sinken die Chancen erheblich, mit weiteren Medikamenten noch eine Anfallsfreiheit zu erreichen. An dieser Stelle sollte eine Überweisung an ein Epilepsiezentrum erfolgen, um die Möglichkeit eines epilepsiechirurgischen Eingriffs zu prüfen, so einer Schlussfolgerung der Experten. (run)

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