Ärzte Zeitung, 29.07.2004

UNO: In Darfur leben die Menschen im größten Elend der Welt

Masern, Malaria, Augeninfektionen in den sudanesischen Flüchtlingscamps / Deutsche Hilfsorganisationen aktiv / Die Hilfe reicht noch lange nicht

NEU-ISENBURG (ug). "Die humanitäre Situation in der sudanesischen Provinz Darfur ist apokalyptisch." So drastisch beschreibt die Organisation "Ärzte der Welt", die in Darfur ärztliche Nothilfe leistet, die Lage. Und die Bedingungen werden jetzt zu Beginn der Regenzeit immer schlechter, obwohl die Regierung internationale Hilfe zuläßt.

Auf die Behandlung ihrer Kleinkinder warten diese Mütter in einem Flüchtlingslager in Nyala in der Provinz Süd-Darfur. Fotos: dpa

Bis zu einer Million Menschen sind im Sudan seit einem Jahr auf der Flucht vor Gewalt, Folter, Raub und Mord. Schwarzafrikaner werden vertrieben und gejagt von arabischen Dschan-dschawid-Milizen. An der Grenze zwischen Sudan und Tschad, in der Provinz Darfur, leben die Flüchtlinge in Lagern aus notdürftig errichteten Grashütten, die gegen den Regen kaum Schutz bieten.

Mangelernährt: Osmans Arm wird von einer Unicef-Mitarbeiterin gemessen.

Außer Angst und Hoffnungslosigkeit beherrschten Krankheiten das Leben in Darfur, so "Ärzte der Welt". "Durch das Zusammenspiel von kräftezehrender Flucht, Unterernährung und vollkommen unzureichenden hygienischen Umständen, die mangelhafte medizinische Betreuung sowie den nur sehr begrenzt vorhandenen Zugang zu sauberem Trinkwasser gibt es vermehrt Durchfallerkrankungen, Malaria, Masern, Infektionen der Augen und der Atemwege, die Seuchengefahr steigt ständig."

20 Prozent der Flüchtlinge sind Kinder unter fünf Jahren, schätzt UNICEF. Jedes fünfte von ihnen ist mangelernährt. Jeden Tag sterben zehn bis 15 Kleinkinder. UNICEF fürchtet sogar, daß Cholera ausbrechen könnte.

In den sudanesischen Flüchtlingslagern werden die Menschen von der Regierung festgehalten. Bis vor kurzem hatten sie so gut wie keinen Zugang zu internationaler Hilfe. Das hat sich geändert, die Regierung läßt jetzt internationale Hilfe zu.

Auch viele deutsche Hilfsorganisationen sind in Darfur aktiv. So unterhält das Deutsche Rote Kreuz (DRK) in der Stadt El Fasher eine mobile Gesundheitsstation. Hier habe das sechsköpfige Team bereits mehr als 3000 Patienten behandelt. Täglich kämen etwa 200 Patienten, so das DRK. Ein 24-Stunden-Service wäre nötig, ist aber nicht möglich, da im Sudan ab 22 Uhr eine Ausgangssperre gilt.

Außerdem haben DRK-Helfer proteinreiche Nahrungsriegel an unterernährte Kleinkinder in einem Flüchtlingslager nahe der Stadt verteilt, in dem 45 000 bis 50 000 Menschen Zuflucht gefunden haben. 35 Tonnen dieser Energieriegel hat das DRK in der letzten Woche nach El Fasher geflogen. Die Vorräte reichen noch drei Wochen.

In der Gegend südlich von El Fasher ist der deutsche Malteser-Hilfsdienst aktiv. Vier Basis-Gesundheits-Kits, die etwa Antibiotika, Malaria-medikamente, Schmerzmittel und Verbandsmaterial enthalten, sowie drei Geburtshilfe-Kits sind verteilt worden. Das medizinische Material hat UNICEF zur Verfügung gestellt. Außerdem bereiten die Malteser den Aufbau eines umfangreichen Basisgesundheitsprogramms für die Menschen in der Region Shingil Tobaya vor.

Die Organisation "Ärzte ohne Grenzen" leistet bereits seit Ende 2003 Hilfe in der Region. Etwa 120 internationale und 2000 sudanesische Mitarbeiter arbeiten dort.

Auch die WHO engagiert sich in Darfur. WHO-Mitarbeiter haben Kinder etwa gegen Masern geimpft.

Doch die Hilfe reicht noch lange nicht. Die Vereinten Nationen haben erst Anfang der Woche an die Welt appelliert, weiter zu spenden. Es gebe zu wenig Nahrung, Wasser und medizinische Hilfe in den Flüchtlingscamps. Mit der Regenzeit werde der Zugang immer schwieriger. In Darfur gebe es das größste Elend der Welt.

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