Ärzte Zeitung, 20.01.2011

Anwalt fordert erneut Stiftung für Loveparade-Opfer

Nach dem Unglück bei der Loveparade in Duisburg im vergangenen Sommer gibt es weiter keine Einigung um eine frühzeitige Entschädigung für die Opfer.

Anwalt fordert erneut Stiftung für Loveparade-Opfer

Gedenktafel am Loveparade-Gelände in Duisburg: Der Anwalt der Opfer setzt sich erneut für eine staatlich kontrollierte Stiftung ein.

© dpa

DÜSSELDORF (dpa). Neben der Frage nach der Verantwortung für die Loveparade-Katastrophe bleibt auch das Thema Entschädigung weiter offen. Die Kanzlei Baum Reiter erneuerte am Mittwoch ihren Vorschlag zur Gründung einer staatlich kontrollierten Stiftung für Loveparade-Opfer.

"Wenn den Opfern zügig geholfen werden soll, geht das nur, wenn wir die strafrechtliche Schuldfrage von der Frage der Hilfeleistungen abkoppeln", sagte Rechtsanwalt Julius Reiter der Nachrichtenagentur dpa.

"Unser Vorschlag ist die Einrichtung einer staatlich kontrollierten Stiftung, die schnell und umfassend hilft", so Reiter, der nach eigenen Angaben 65 Loveparade-Opfer vertritt.

Nötig seien dabei verbindliche Kriterien, nach denen die Opfer Hilfen erhalten sollen. Auch die Gelder anderer Hilfsfonds sollen einfließen. "Die Loveparade-Opfer brauchen eine zentrale Anlaufstelle."

Bis zu einer Verurteilung der Verantwortlichen könne es noch Jahre dauern. Vor 2012 komme es wahrscheinlich nicht zum Strafprozess, meinte der Jurist. "Wir halten es für unzumutbar, dass die Opfer möglicherweise Jahre warten."

Reiter sprach sich für Gespräche zwischen dem Lopavent-Versicherer Axa, dem Land und der Stadt zur Frage der Entschädigung aus.

Nach Angaben von Wolfgang Riotte, Ombudsmann der Landesregierung für die Opfer der Loveparade, hat es bereits ein gemeinsames Gespräch zwischen Axa und der Kanzlei gegeben, an dem er selbst auch beteiligt war. Einzelheiten nannte er nicht.

Der ursprünglich eine Million Euro umfassende Hilfsfonds der Landesregierung ist inzwischen ausgeschöpft, wurde zum Jahresende aber um 500.000 Euro wieder aufgestockt.

"Es werden noch einige Verletzte stationäre Hilfe in Anspruch nehmen, weil sie merken, dass sie alleine oder ambulant das Erlebte nicht verarbeiten können", sagte Riotte.

Die Gelder seien an 75 Verletzte gegangen, die sich in stationärer Behandlung befanden. Weitere fünf sind noch in der Klinik. Von drei anderen weiß Riotte, dass sie noch Anträge stellen wollen.

Gelder gingen auch an die Angehörigen von 20 der 21 Toten.In einem Fall liegen erst seit kurzem die nötigen Unterlagen vor, so dass erst jetzt das Geld überwiesen werden kann.

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