Ärzte Zeitung, 20.10.2016
 

BASF-Unglück

Leben mit dem Risiko vor der Haustür

Nach der Explosion auf dem BASF-Gelände in Ludwigshafen erklärt Risikoforscher Professor Klaus Heilmann, wie Anwohner mit den Risiken der direkten Nachbarschaft zu Chemieunternehmen umgehen.

Das Interview führte Simon Ribnitzky

Leben mit dem Risiko vor der Haustür

Nach einer Explosion brennt es am 17.10.2016 auf dem Gelände des Chemiekonzerns BASF in Ludwigshafen (Rheinland-Pfalz).

© Einsatzreport Südhessen / dpa

Herr Professor Heilmann, wie kommen Anwohner neben großen Konzernen oder Kraftwerken mit der ständigen Gefahr klar?

Professor Klaus Heilmann: Damit lebt man. Die Leute haben auch nicht in dem Sinne Angst, sie haben wohl eine gewisse Furcht – sie wissen, dass da tatsächlich etwas passieren kann und dass das ernsthafte Auswirkungen haben kann. Aber sie sind es gewohnt und sie verdrängen es auch.

Warum ist Verdrängung so entscheidend?

Heilmann: Verdrängung ist ein ganz wichtiger Mechanismus für den Menschen. Ohne Verdrängung könnten wir gar nicht leben, weil wir dann permanent von Ängsten und Fürchten gejagt werden.

Dann könnten wir nicht existieren, wir könnten nicht über eine Straße gehen, nicht in einem Kamin Feuer machen – dann würden wir ständig diese Fluchtreflexe haben, die Ängste auslösen.

Kann Verdrängung auch gefährlich sein?

Heilmann: Ja, Verdrängung kann auch zum Ignorieren von Gefahren führen. Wir verdrängen etwas, weil wir nicht sehen wollen, dass da eine große Gefahr auf uns zukommt – zum Beispiel wenn eine Anlage nicht so gewartet wird.

Das ist ein großes Problem. Große Unglücke sind auch aus Verdrängung von Gefahrenherden entstanden.

Sehen Sie Derartiges beim BASF-Unglück?

Heilmann: Nein, sicher nicht. Die Anwohner verlassen sich darauf, dass das Unternehmen immer alles sorgsam prüft und alles gut in Schuss hält.

Das ist ganz wichtig. Die Sicherheitsmaßnahmen in all diesen großen Werken haben vor allem in Deutschland einen ganz hohen Standard. Das gilt sicher auch bei der BASF.

Die Leitung eines solchen Werkes ist bemüht, in ständigem Kontakt mit den Anwohnern zu sein und sie zu informieren. Das trägt natürlich dazu bei, dass die Leute das Ganze gelassener nehmen. (dpa)

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