Ärzte Zeitung, 25.08.2005

Experten warnen vor einem Anstieg bei Pilzvergiftungen

Überdurchschnittliches Pilzwachstum zu erwarten

GÖTTINGEN/MÜNCHEN (pid). Experten vom Giftinformationszentrum-Nord (GIZ-Nord) in Göttingen und der Technischen Universität München befürchten in diesem Jahr einen deutlichen Anstieg an Pilzvergiftungen. Wegen des warmen und feuchten Wetters sei ein überdurchschnittliches Pilzwachstum zu erwarten.

Der grüne Knollenblätterpilz ist der gefährlichste Giftpilz, der bei uns wächst. Foto: MRI Tox

Bereits vor einigen Tagen habe es die ersten schweren Vergiftungsfälle gegeben, sagte der Leiter des Göttinger Zentrums, Dr. Herbert Desel. So hätten im Raum Braunschweig zwei Pilzsammler hoch giftige Knollenblätterpilze verzehrt.

Dieser Pilz ruft schwerste Vergiftungen hervor, die zu einem akuten Leberzerfall führen können. In manchen Fällen kann nur noch eine Lebertransplantation das Leben eines Patienten retten. So schlimm waren die Folgen zwar diesmal nicht, doch einer der beiden Betroffenen habe eine schwere Leberschädigung erlitten.

In einem anderen Fall hatte ein Pilzsammler Pantherpilze gegessen. Anders als beim Knollenblätterpilz, bei dessen Verzehr sich die Symptome erst nach mehreren Stunden bemerkbar machen, sind die Vergiftungserscheinungen beim Pantherpilz bereits nach einer Stunde spürbar.

Typische Symptome seien Gangstörungen, Halluzinationen, Schwindel, Zittern und Desorientiertheit, sagte Desel. Hinzu kämen die bei allen Pilzvergiftungen auftretenden Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Magenschmerzen. Auch die Münchner Giftexperten hatten bereits die ersten Patienten zu versorgen.

Als besonders gefährdet gelten weiterhin Spätaussiedler aus Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Weil der Knollenblätterpilz offenbar einem Speisepilz aus Osteuropa sehr ähnlich sieht, kommt es immer wieder zu diesen Verwechslungen. Auch bei dem jüngsten Fall aus dem Raum Braunschweig waren Spätaussiedler betroffen.

Das Göttinger Giftinformationszentrum ist für die Bundesländer Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein zuständig. Im vergangenen Jahr haben die ärztlichen Berater knapp 30 000 Anfragen beantwortet. Dies geht aus dem jetzt vorgelegten Jahresbericht hervor.

Obwohl das Jahr 2004 wetterbedingt kein Pilzjahr war, gab es knapp 450 Anfragen zu Pilzen. In 24 Fällen sei es zu Vergiftungen mit schwerer oder mittelschwerer Symptomatik gekommen, so Desel.

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