Ärzte Zeitung, 22.02.2012

1. Oktober 1982: Die "Ärzte Zeitung" startet mit der Wende

1. Oktober 1982: Die "Ärzte Zeitung" startet mit der Wende

Eine Koalition zerbricht, die Wirtschaft in der Rezession, Regierungswechsel. 1982 sollte das Jahr der Wende sein. Der Start in die damals überhaupt nicht abseh bare 16-jährige Kanzlerschaft von Helmut Kohl. Und der Start für die "Ärzte Zeitung".

1. Oktober 1982: Die "Ärzte Zeitung" startet mit der Wende

Bonn, 1. Oktober 1982: Dr. Helmut Kohl, Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag wird nach dem ersten erfolgreichen konstruktiven Misstrauensvotum in der Nachkriegsgeschichte als Nachfolger von Helmut Schmidt als Bundeskanzler vereidigt. Kohl kündigt eine "geistig-moralische Wende" in der Bundesrepublik an.

Neu-Isenburg, 1. Oktober 1982: In der Kleinstadt im Süden von Frankfurt erscheint die "Ärzte Zeitung", die erste Tageszeitung für Ärzte. Innerhalb von drei Monaten hatte ein 50-köpfiges Team von Journalisten, Grafikern, Technikern und Verlagskaufleuten eine Geschäftsidee des Verlegers und Gründers der "Ärzte Zeitung", Klaus Rehnig, realisiert.

1. Oktober 1982: Die "Ärzte Zeitung" startet mit der Wende

Der CDU-Vorsitzende Dr. Helmut Kohl wird am 1.Oktober 1982 von Bundestagspräsident Richard Stücklen als neuer Bundeskanzler vereidigt.

© dpa

Warum? Das erklärte Peter Boenisch, einst Chefredakteur von "Bild" und nun Berater der "Ärzte Zeitung" so: "Ärzte müssen zuviel lesen.

Auf jeden Fall müssen sie vieles an zu vielen Stellen lesen. Und oft zu spät. Bisher fehlte in Deutschland, was es in Frankreich und Italien längst gibt: die spezielle, aktuelle Tagesinformation für den Arzt. Jetzt ist sie da."

Entstanden war eine Zeitung für Gesundheitspolitik, aktuelle Medizin, Wirtschaft für den Arzt und die vielfältigen Zusammenhänge zwischen Gesellschaft und Medizin. Neue, bis dato in ärztlichen Medien unbekannte oder ausgeklammerte Themen wurden für Ärzte erschlossen: Umwelt und Gesundheit, die wachsende Bedeutung von Selbsthilfegruppen, internationale Gesundheitspolitik.

Eine neue Qualität der Informa tion entstand durch die Tagesaktualität: ein Muntermacher für Ärztefunktionäre. Eine Stellungnahme zu Norbert Blüms Bußgeldplänen gegen Ärzte, die Gefälligkeitsatteste ausstellen?

Was bis dato Wochen dauerte, wurde nun binnen weniger Stunden gefordert. Und von unabhängigen Journalisten bewertet. Denn die "Ärzte Zeitung" war und ist bis heute von keiner bestimmten Institution im Gesundheitswesen abhängig.

In die von Helmut Kohl und seinem Koalitionspartner Hans Dietrich Genscher angekündigte Wende hatten vor allem Ärzte große Hoffnungen gesetzt. Die zweite Hälfte der 70er Jahre war nicht nur vom Terror der RAF gekennzeichnet, sondern auch von internationalen Finanzkrisen und einer Verkrustung des einstigen Wirtschaftswunderlandes.

Die Erstarrung hatte auch das Gesundheitswesen getroffen: Die Ära der Kostendämpfungsgesetze hatte begonnen. Zugleich drängte eine starke Generation junger Ärzte in Kliniken und Praxen: die Ärzteschwemme.

Die Furcht vor Überversorgung, vor übermäßiger Konkurrenz, vor iatrogener Morbidität sollte die Ärzte über 20 Jahre begleiten - bei den Krankenkassen ist die Sorge noch heute präsent. (HL)

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