Ärzte Zeitung, 08.02.2013

Samenspende

Gesetzliche Regelung gefordert

MÜNSTER. Nach dem Urteil zum Verbot anonymer Samenspenden haben Experten einen Graubereich beklagt und eine neue Gesetzgebung gefordert.

"Für die Ethiker war schon vor dem Urteil unstrittig, dass das Recht der freien Persönlichkeitsentwicklung über dem Recht der Spender steht, anonym zu bleiben", sagte der Philosophie-Professor Michael Quante von der Uni Münster am Donnerstag.

Deshalb muss bei einem neuen Gesetz klar sein, dass nicht die Kinder beweisen müssen, warum sie den Spender kennenlernen wollen, sondern das Gesetz müsste schlüssige Gründe für eine anonyme Spende aufzeigen."Moderne Technik - wie bei der künstlichen Befruchtung - bringe die Ethik immer wieder in die gleiche Zwickmühle, so Quante,

Mitglied im Exzellenzcluster Religion und Politik der Wilhelms-Universität Münster. Wer sich den neuen Möglichkeiten verweigere, gelte als technikfeindlich und ihn umwehe ein "Mief des Gestrigen".

Ethische, anthropologische und damit sehr tiefsitzende Dinge sind aber nach Quantes Meinung ein schützenswertes Gut und damit höher gestellt.

"Würde ein Gesetz das Informationsrecht der Kinder einschränken und den Schutz der Anonymität der Spender höher hängen, würde ich sehr genau gucken wollen, welche Argumente dafür ins Feld geführt werden. Es mag sinnvolle Einzelfälle geben, aber die möchte ich mir zuerst anschauen", sagte Quante. (dpa)

[10.02.2013, 13:28:15]
Dr. Bernd Andergassen 
Zeugen oder nicht zeugen ist dann die Frage!
Es wird schlicht keine Samenspender mehr geben, wenn die Anonymisierung wirklich fällt oder nicht rechtskräftig festgelegt werden kann. Es wird dann gar keine Menschen mehr geben, die nach Ihrer Herkunft fragen könnten.
Diesem Aspekt widmet sich die Öffentlihkeit derzeit gar nicht...
Dr. med. univ. zum Beitrag »
[08.02.2013, 15:55:04]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
"To Be or not to Be: That is the question!"
Wir können es drehen und wenden, wie wir wollen: Selbst in 250 Jahren, wenn Kinder üblicher Weise aus weiblichen Ei- und männlichen Samenzellen extrakorporal ausschließlich im Reagenzglas gezeugt und in künstlichen Gebärmüttern bis zur Geburtsreife aufgezogen werden könnten, wird jeder Mensch seiner existenziellen Frage nachhängen: Wo komme ich her? Wo gehe ich hin? Wer sind meine Eltern, meine Mutter und mein Vater? Und wenn ja, warum? Und weshalb wurde ich in eine "Babyklappe" gelegt?

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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