Ärzte Zeitung, 15.10.2010

Kasse setzt auf Sport statt Medikamente

Mehr Bewegung statt Arzneimittel – das soll künftig auch für chronisch Kranke gelten. Die Techniker Krankenkasse plant ein Pilotprojekt, das mehr Sport in das Leben dieser Menschen bringen soll.

Von Sunna Gieseke

Kasse setzt auf Sport statt Medikamente

Regelmäßige Bewegung ist nach Ansicht der Techniker Kasse auch für chronisch kranke Patienten sinnvoll.

© imagobroker / imago

BERLIN. Nach Ansicht der Techniker Krankenkasse (TK) ist das Gesundheitswesen zu sehr auf "Medikalisierung" fixiert. Die Kasse hat sich daher zum Ziel gesetzt, diesen Trend mit der Kampagne "Sport als Therapie" umzukehren. Dabei gehe es nicht ausschließlich darum, Gesunde zu mehr Sport zu motivieren, betonte TK-Chef Professor Norbert Klusen anlässlich der Vorstellung der Kampagne in Berlin. Vielmehr richte die Kasse mit dem Angebot den Fokus auf chronisch kranke Patienten.

In einem Pilotprojekt am Zentrum für Prävention und Sportmedizin in München werden zunächst Patienten mit der Diagnose Herzinsuffizienz oder Diabetes mellitus behandelt. Ein 26-wöchiges Programm soll von Spezialisten individuell auf die Patienten zugeschnitten werden. Damit sollen chronisch Kranke zu einem gesünderen Lebensstil motiviert werden. Nach eigenen Angaben plant die Kasse, das Angebot ab 2011 auf weitere Standorte auszudehnen.

"Genau wie bei Arzneimitteln kommt es bei der Sporttherapie darauf an, individuell die richtige Dosis zu finden", sagte der Projektentwickler Professor Martin Halle von der Technischen Universität München. Ärzte leisteten häufig nur noch "Reparaturmedizin". Dabei sei es wichtig, die Patienten zu mehr Eigenverantwortung zu motivieren.

Jedoch gebe fast jeder vierte Erwachsene an, aus gesundheitlichen Gründen keinen Sport treiben zu können. Krankheit dürfe aber kein Hinderungsgrund sein, vielmehr sollte Bewegung - ebenso wie Medikation - ein fester Bestandteil der Behandlung werden. Es gebe kaum eine Diagnose, bei der Bewegung nicht die Gesundheit auch bereits erkrankter Patienten fördere, ergänzte Klusen. Jedoch habe jeder fünfte Versicherte einer Umfrage der TK zufolge Medikamente zur Behandlung von Herz-Kreislauferkrankungen erhalten.

Daher wolle die TK die Gesundheit der Patienten fördern, statt Krankheit zu bezahlen. "Wir haben ein Gesundheitswesen, in dem finanziell honoriert wird, wenn Patienten unter Dauermedikation stehen", so Klusen. Das belaste die Gesundheit der Patienten und die Haushalte der Krankenkassen gleichermaßen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Würden Ärzte Gröhe wählen?

In einer großen Umfrage fragten wir Ärzte: "Wenn der Bundesgesundheitsminister direkt vom Volk gewählt werden könnte, wen würden Sie wählen?" Lesen Sie hier die Antwort. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »