Ärzte Zeitung, 05.10.2011

Online-Handel mit gefälschten Arzneimitteln steigt

Der illegale Handel mit gefälschten Medikamenten im Internet nimmt zu. Verbraucher können kaum unterscheiden, was echt ist und was Fälschung.

Online-Handel mit gefälschten Arzneimittel steigt

Medikamente aus dem Internet: Jedes zweite eine Fälschung.

© Schlierner / fotolia.com

BERLIN (sun). Jedes zweite im Internet gekaufte Medikament ist laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Fälschung. Allein im vergangenen Jahr hat der deutsche Zoll zehn Millionen gefälschte Tabletten beschlagnahmt.

Der Anstieg der sichergestellten gefälschten Arzneimittel sei "dramatisch", sagte der Sprecher des Zollkriminalamtes, Wolfgang Schmitz, in Berlin. 2006 habe der Zoll etwa drei Millionen Tabletten sichergestellt, 2010 waren es bereits zehn Millionen.

Organisierte Kriminalität vermutet

Und das sei lediglich die "Spitze des Eisbergs": Inzwischen müsse man von einer "organisierten Kriminalität" sprechen, warnte Schmitz. "Arzneimittelfälschungen sind allerdings oftmals gar nicht so viel günstiger als die Originale", so Schmitz.

 Gefälscht würden vor allem sogenannte "Lifestyle-Produkte" wie Schlankheits- oder Potenzmittel.

Auch rezeptflichtige Medikamente bleiben nicht verschont

Aber auch rezeptpflichtige Medikamente blieben nicht verschont: Inzwischen würden auch Mittel zur Therapie von Krebs, HIV, hohen Cholesterinwerten, Alzheimer oder Bluthochdruck gefälscht, ergänzte Pfizer-Sprecher Martin Fensch.

Und zwar nicht nur Originalpräparate, sondern auch Generika.

Bereits giftige Substanzen in gefälschten Arzneimitteln gefunden

"Und der Verbraucher kann nur schwer unterscheiden, was echt und was gefälscht ist", so Fensch. Das könne möglicherweise schwerwiegende Folgen haben: Denn gefälschte Medikamente könnten keinen, zu wenig, zu viel oder den falschen Wirkstoff enthalten.

Das habe zur Folge, dass beispielsweise der Blutdruck nicht gesenkt werde. Schlimmer sei aber noch, dass bereits giftige Substanzen in Arzneimitteln gefunden worden sind.

Wachsamkeit beim Kauf im Internet

Schmitz riet dazu, Medikamente in der Apotheke zu kaufen: In der regulären Lieferkette - Hersteller, Apotheker, Arzt - betrage der Anteil gefälschter Arzneimittel in Deutschland etwa ein Prozent.

Beim Kauf von Arzneimitteln im Internet riet Schmitz zu Wachsamkeit: Internetseiten vieler Fälscher sähen seriös aus. Es sei aber - selbst für Experten - nur schwer zu erkennen, ob es sich um illegale Angebote handle. Es werde Originalware versprochen, geliefert würden aber Fälschungen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Hüpfen und Einbeinstand halten fit

Hüpfen, Treppensteigen oder auf einem Bein Zähneputzen: Mit bewussten, einfachen Übungen können alte Menschen ihre Beweglichkeit erhöhen und die Sturzgefahr senken. mehr »

Das sind die Gewinner des Galenus-von-Pergamon-Preises 2017

Mit dem Galenus-von-Pergamon-Preis, der auch international große Anerkennung findet, wurden erneut Exzellenz in der pharmakologischen Grundlagenforschung und die Entwicklung innovativer Arzneimittel gekürt. mehr »

Demenz oder Depressionen?

Benennen ältere Patienten von sich aus kognitive Defizite, sollten Ärzte hellhörig werden: Häufig liegt dann keine Demenz, sondern eine Depression vor. mehr »