Ärzte Zeitung, 17.09.2012

Niedersachsen

Arzneiausgaben wieder gestiegen

Die kostendämpfende Wirkung des Arznei-Sparpaketes in Niedersachsen scheint zu verpuffen. Die KV reagiert und fordert, mehr Generika und Rabattarzneien zu verschreiben.

HANNOVER (cben). Trotz Arzneimittel-Sparpaket steigen die Ausgaben für Arzneimittel in Niedersachsen wieder. Das teilte Techniker Krankenkasse (TK) mit. Auch die KV Niedersachsen hat reagiert.

Nach Angaben der Kasse gaben die gesetzlichen Krankenkassen von Januar bis Juli 2012 in Niedersachsen für Medikamente mehr als 1,5 Milliarden Euro aus.

"Daraus ergibt sich ein Anstieg um 4,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum", so die TK, die sich mit ihren Zahlen auf Berechnungen der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) bezieht.

Mit dem Wert liegt Niedersachsen deutlich über dem Bundesschnitt. Bundesweit verzeichnen die Kassen einen Ausgabenanstieg um 3,4 Prozent auf rund 16,1 Milliarden Euro.

Mit den am 1. August 2010 und 1. Januar 2011 in Kraft getretenen Arzneimittel-Sparpaketen sollten die Ausgaben für Medikamente in Niedersachsen begrenzt werden.

In der Folge sanken die Ausgaben in Niedersachsen im Vergleich der Jahre 2010 und 2011 auch um zwei Prozent. "Die positiven Auswirkungen des Sparpaketes scheinen langsam zu verpuffen", meint Dr. Sabine Voermans, Leiterin der TK-Landesvertretung Niedersachsen.

Briefe für die Vertragsärzte

Im Sparpaket ist vorgesehen, dass die in Niedersachsen niedergelassenen Ärzte einem Regress entkommen, wenn entweder die Gesamtausgaben für Arzneimittel prozentual mindestens 0,1 Prozent unter dem Bundesschnitt bleiben oder die vereinbarten Zielwerte für zwölf Leitsubstanzen eingehalten werden.

Scheitern diese beiden gemeinsamen Wege, dann können die Ärzte immer noch individuell die Zielwerte einhalten und so dem Regress entkommen.

Die KV Niedersachsen verschicke angesichts der Zahlen kürzlich erneut entsprechende Hinweise an die Vertragsärzte. Das bestätigte KV-Sprecher Detlef Haffke der "Ärzte Zeitung".

Im Frühjahr hatte eine vergleichbare Mitteilung zu Unruhe unter den niedergelassenen Praxisärzten geführt. "Wir versenden diese Schreiben jetzt in jedem Quartal", erklärt Haffke.

Mit weiteren Aufregungen um die Briefe rechnet er nicht. "Unsere Mitglieder wissen, dass die KV-Schreiben Hinweise sind, aber keine Regresse."

Unterdessen forderte die TK, die Vertragsärzte sollten mehr Generika und rabattierte Medikamente verschreiben.

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