Ärzte Zeitung App, 07.10.2014

Aktionsbündnis

Medikamenten-Plan für jeden Senior

Drei von vier Menschen über 65 im Rhein-Neckar-Raum sollen binnen des nächsten Jahres einen Medikamentenplan besitzen: Das ist das Ziel des "Aktionsbündnisses Sichere Arzneimittelanwendung". Bislang ist ein solcher Plan rar.

Von Marion Lisson

Ein Medikamenten-Plan für jeden Senior

Ein Medikamentenplan umfasst mehr als nur die Angabe von Tag und Tageszeit.

© RRF/fotolia.com

HEIDELBERG. Mit einer breit angelegten Info-Kampagne werben Allgemeinärzte und Pharmakologen des Uniklinikums Heidelberg dafür, dass jeder Bürger über 65 Jahren einen gut lesbaren und genauen Medikamentenplan besitzen sollte. Bislang ist das nicht der Fall.

"Die richtige Arzneimittelanwendung ist für eine erfolgreiche Therapie unabdingbar", sagte Professor Joachim Szecsenyi, Leiter der Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung des Uniklinikums Heidelberg, bei einer Pressekonferenz.

Sein Ziel: Bereits in zwölf Monaten sollen 75 Prozent der über 65-Jährigen im Rhein-Neckar-Raum eine solche Auflistung ihrer Arzneien haben, damit sie exakt wissen, wann und wie sie ihre Medikamente nehmen müssen. Die Unterstützung niedergelassener Ärzte vor Ort ist bei dem Projekt "MeinPlan" ausdrücklich gewünscht.

5340 Menschen über 65 Jahre befragt

"Aktionsbündnis Sichere Arzneimittelanwendung Rhein Neckar" heißt die Initiative, an der sich neben der Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung auch die Abteilung Pharmakologie und Pharmaepidemiologie der Universität Heidelberg sowie das Gesundheitsamt Rhein-Neckar beteiligen.

Von Juni bis August 2014 hatte das Aktionsbündnis in der Region bei 5340 Menschen über 65 Jahren eine Umfrage gestartet. Die Hälfte der Befragten (50,7 Prozent) sendete ihren Fragebogen ausgefüllt zurück.

"Darin geben zwar nahezu 90 Prozent der Bürger an, regelmäßig Arzneimittel einzunehmen, doch nur jeder zweite Patient besitzt einen genauen Medikamentenplan", sagte Dr. Rainer Schwertz, Amtsleiter des Gesundheitsamts Rhein-Neckar.

Bei den meisten ist er älter als ein Jahr. Die Pläne werden in der Regel vom Hausarzt (mit-) ausgestellt. Knapp jeder zehnte Befragte gab an, sich selbst einen Einnahmeplan geschrieben zu haben.

"Jeder sechste Patient verwendet den Plan nicht, weil er entweder nicht gebraucht wird, nicht verstanden wurde oder nicht lesbar ist", ergänzt Professor Walter E. Haefeli, Ärztlicher Direktor der Abteilung Klinische Pharmakologie und Pharmakoepidemiologie am Uniklinikum Heidelberg.

Auch OTC in den Plan aufnehmen

Einen Entwurf dazu, wie ein Medikamentenplan aussehen sollte, haben die Initiatoren nun auf ihrer Homepage "www.nimmsrichtig.de" veröffentlicht. Er kann kostenlos runtergeladen werden.

Es gehe darum, die Lebensqualität des einzelnen Patienten zu verbessern, so Schwertz. So sei es zum Beispiel wichtig, dass sedierend wirkende Arzneimittel für den Abend nicht bereits am Morgen genommen würden. Auch im Notfall oder bei einer Klinikeinweisung sei der Plan hilfreich.

Die Heidelberger Allgemeinmediziner und Pharmakologen empfehlen grundsätzlich auf den Medikamentenplänen der Patienten nicht nur vom Arzt verschriebene Medikamente, sondern auch nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamine und Mineralstoffe zu listen.

"Vermerkt werden kann ebenfalls, ob ein Medikament vor oder nach dem Essen genommen werden muss oder ob ein Arzneimittel kühl gelagert oder vor dem Gebrauch geschüttelt werden sollte", ergänzt Allgemeinmediziner Szecsenyi. Beim nächsten Hausärztekongress in Heidelberg will seine Abteilung für das Projekt "MeinPlan" werben.

Das "Aktionsbündnis Sichere Arzneimittelanwendung" ist im Rahmen der Kommunalen Gesundheitskonferenz (KGK) im vergangenen Jahr im Rhein-Neckar-Kreis und der Stadt Heidelberg gegründet worden.

[07.10.2014, 08:32:16]
PD Dr. Hans-Robert Böhme 
Mangelnde praktische Kenntnisse
Es ist traurig, dass ein "Klinischer Pharmakologe " offenbar nicht weiss, dass seine lobenswerten Bemühungen durch die politische Pharmakologie des AMNOG, das RLV, medial-und kassengestützte Compliance-Beeinflussung wie viele andere " Modellversuche" (Armin u.a. untaugliche Versuche) zur Makulatur werden.
Einem Mitarbeiter eines Gesundheitsamtes ist die Lektüre der Apothekenbetriebsordnung in ihren Auswirkungen auf die Heime sehr zu empfehlen.

bei Interesse s. dazu unter www.drboehmeklipha.com Informationen für Fachkreise  zum Beitrag »

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