Ärzte Zeitung, 05.01.2017

AMNOG-Bilanz

129 Arzneien preisreguliert

Für 129 Arzneien haben Hersteller und GKV seit 2012 Preise vereinbart. 2,5 Milliarden Euro wurden gespart.

BERLIN. Jedes dritte neu auf den Markt kommende Medikament bringt nach Einschätzung der gesetzlichen Krankenkassen keinen zusätzlichen Nutzen für Patienten. Wie die Funke Mediengruppe (Mittwoch) berichtete, haben der GKV-Spitzenverband und Arzneimittelhersteller seit 2012 für 129 Medikamente Preisverhandlungen geführt. Von diesen Präparaten hatten nach Kassen-Angaben nur 44, also etwa ein Drittel, einen klar nachweisbaren zusätzlichen Nutzen. Ein weiteres Drittel (41 Präparate) hatte überhaupt keinen Vorteil im Vergleich zu bekannten Therapien, der Rest nur für einen Teil der Patienten.

Auf Basis der Nutzenbewertungsergebnisse, die der Gemeinsame Bundesausschuss beschließt, verhandeln der GKV-Spitzenverband und der jeweilige Hersteller einen Erstattungsbetrag, bei Nichteinigung entscheidet eine Schiedsstelle. Seit Inkrafttreten der frühen Nutzenbewertung im Jahr 2011 beläuft sich die Summe der zugunsten der Krankenkassen vereinbarten Rabatte auf 2,5 Milliarden Euro. Mit der Reform von 2010 war erwartet worden, dass jährlich ein Spareffekt von zwei Milliarden Euro erzielt werden könnte. Davon ist man im Moment noch ein Stück entfernt. Allerdings steigen die jährlichen Einsparungen exponenziell, weil jedes Jahr etwa 30 neue Nutzenbewertungen hinzukommen und in den Jahren zuvor eingeführte Arzneimittel verstärkt eingesetzt werden. 2018 ist damit zu rechnen, dass das Sparziel von zwei Milliarden Euro erreicht wird.

Die Kommunikation des GKV-Spitzenverbandes über die Auswirkungen der frühen Nutzenbewertung beurteilt der Verband forschender Pharma-Unternehmen kritisch: Auch Arzneimittel ohne anerkannten Zusatznutzen hätten in der Versorgung einen Wert, weil sie die Therapieoptionen für Ärzte erhöhten. "Die Kampagne der Krankenkassen gegen gleichwertige Arzneimittel ist völlig unangemessen", kommentiert vfa-Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer. Es dürfe keine Einheitstherapie für unterschiedliche Patienten geben. (HL/dpa)

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