Ärzte Zeitung online, 23.06.2017

Kritik an "Null-Euro-Ärzten"

"Kooperation ist kein Interessenkonflikt!"

Die Freiwillige Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie (FSA) wehrt sich gegen das Projekt "Null-Euro-Ärzte" des Recherchezentrums "Correctiv". Ein Statement von FSA-Geschäftsführer Dr. Holger Diener.

Ein Gastbeitrag von Dr. Holger Diener

"Kooperation ist kein Interessenkonflikt!"

Der FSA stellt sich gegen das Image von Ärzten, die Geld der Pharmabranche annehmen: "Kooperation ist kein Interessenkonflikt.

© fovito / Fotolia

BERLIN. Patienten müssen ihren Ärzten vertrauen können. Sie müssen davon überzeugt sein, dass Diagnose und Therapie allein ihrem Interesse und damit ihrer Gesundheit dienen.

Die Veröffentlichungen der Pharmaunternehmen im Rahmen des FSA-Transparenzkodex sollen in diesem Sinne das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient stärken. Denn sie geben Auskunft über die Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Industrie.

Das ist von den Pharmafirmen so gewollt und je mehr Ärzte einer individualisierten Nennung von Leistungen der Industrie an sie zustimmen, umso besser.

Natürlich ist es in diesem Zusammenhang das gute Recht eines jeden Arztes, selbst darüber zu entscheiden, ob Leistungen individualisiert veröffentlich werden oder nicht. Falls Ärzte ihre Einwilligung nicht erteilen, erfolgt die Nennung als Teil der Gesamtsumme veröffentlichter Leistungen.

Nicht legitime Zusammenfassung

Das Recherchezentrum "Correctiv" nutzt die Veröffentlichungen der Unternehmen, um sie in einer Datenbank zusammen zu fassen. Eine Zusammenfassung in einer Datenbank, die gleichzeitig die Zusammenarbeit als problematisch interpretiert, halten wir für in der Sache falsch und nicht legitim.

Eine Zusammenarbeit ist nicht automatisch, so wie Markus Grill es schreibt, ein "Interessenkonflikt".

Wenn "Correctiv" jetzt eine Initiative für "Null-Euro-Ärzte" startet, um, wie das Recherchezentrum schreibt, "Ärzte, die keine Gelder angenommen haben, keinem falschen Verdacht mehr auszusetzen", dann liegt dieser Argumentation eine falsche Prämisse zugrunde.

Denn im Umkehrschluss würde diese bedeuten, dass die Verdächtigung all jener Ärzte, die mit der Pharmaindustrie zusammenarbeiten, berechtigt ist. Und das ist falsch. Es ist schlimmer noch eine Diffamierung.

Ausgewogene Bewertung nötig

Richtig ist vielmehr eine differenzierte und ausgewogene Bewertung von Interessenkonflikten, wie dies jüngst die Arbeitsgemeinschaft wissenschaftlich-medizinischer Fachgesellschaften (AWMF) in ihrem Berliner Forum erneut propagiert hat.

Zu einem solch wissenschaftlichen Ansatz gehört etwa auch, dass die Bewertung von möglichen Interessenkonflikten nicht nur auf eine Gruppe im Gesundheitswesen und in der Gesellschaft beschränkt werden darf.

Wenn Ärzte nicht mit pharmazeutischen Unternehmen zusammenarbeiten wollen, ist das natürlich in Ordnung. Und genauso in Ordnung ist es, wenn mehr als 70.000 Ärzte mit Unternehmen kooperieren. Denn auf diese Weise erfolgt ein wichtiger Wissenstransfer.

Ärzte und Unternehmen leisten gemeinsam einen notwendigen Beitrag zur Forschung und Entwicklung. Mehr noch: Ohne diese Ärzte würde wahrscheinlich der wissenschaftliche Fortschritt zum Nachteil der Patienten zumindest behindert, wenn nicht in vielen Bereichen unmöglich.

Zusammenarbeit per se als Interessenkonflikt zu diffamieren, ist sachlich falsch und gegenüber integer handelnden Ärztinnen und Ärzten eine Anmaßung.

Dr. Holger Diener, Jurist, ist Geschäftsführer des Vereins "Freiwillige Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie (FSA)".

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