Ärzte Zeitung, 11.03.2008

INTERVIEW

"EBM und Fonds sind Argumente für unser Korbmodell"

STUTTGART. Für den Tag X des Ausstiegs will der Ärztebund Medi gut vorbereitet sein. Deshalb gebe es keinen Zeitdruck, bis wann das Korbmodell für die Zulassungsrückgabe abgeschlossen sein soll, sagt Werner Conrad, Geschäftsführer der Mediverbund GmbH. Florian Staeck hat ihn befragt.

 "EBM und Fonds sind Argumente für unser Korbmodell"

"Wir sagen allen Ärzten: Schließt euch fachübergreifenden Verbänden an!" Werner Conrad Geschäftsführer Mediverbund

Ärzte Zeitung: Seit Ende Januar ruft die Mediverbund GmbH in Baden-Württemberg die Vertragsärzte zur Zulassungsrückgabe auf. Seitdem touren Sie quer durch das Land und erläutern in Veranstaltungen das Vorhaben. Wie ist die Resonanz bei Ärzten?

Werner Conrad: Die Veranstaltungen sind stets sehr gut besucht gewesen, teilweise waren sie überfüllt.

Ärzte Zeitung: Wie viele Zulassungsrückgaben sind bereits bei dem beauftragten Anwalt eingegangen?

Conrad: Wir haben zwar versiegelte Kisten bei den Veranstaltungen dabei, in die Verzichtserklärungen eingeworfen werden können. Aber die meisten Ärzte werden sicher die Erklärungen direkt an den beauftragten Anwalt Frank Schramm in Kiel senden, weil sie die erforderliche Kopie ihres Personalausweises meistens nicht dabei haben. Bis zur großen Veranstaltung am 16. April in Stuttgart in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle wollen wir keine Zahlen über die Beteiligung am Zulassungsverzicht bekannt geben.

Ärzte Zeitung: Ärzte, die sich an der Korbaktion beteiligen, müssen 150 Euro zahlen - statt wie in Bayern nur 50 Euro. Warum?

Conrad: Die 150 Euro müssen Ärzte auf ein Anderkonto überweisen, das vom Anwalt eröffnet worden ist. Wir werden jeden Euro in die Öffentlichkeitsarbeit stecken. Wir müssen in regionalen Veranstaltungen Ärzte informieren, auch nach der Großveranstaltung am 16. April. Das kostet viel Geld. Parallel dazu werden wir Patienten mit Flyern und Plakaten informieren.

Ärzte Zeitung: Wann werden die Körbe geschlossen?

Conrad: Die Körbe werden geschlossen, wenn im jeweiligen Regierungsbezirk 70 Prozent aller niedergelassenen Haus- und Fachärzte ihren Zulassungsverzicht erklärt haben.

Ärzte Zeitung: Was passiert nach Erreichen der 70-Prozent-Quote?

Conrad: Wir werden dann in diesem Regierungsbezirk alle Ärzte einladen und in Versammlungen das weitere Vorgehen beraten. Zum Beispiel müsste dann geklärt werden, ob die Ärzte in einem Regierungsbezirk alleine aussteigen oder ob wir weiter warten, bis auch in anderen Bezirken das Quorum erreicht wird. Nach der Versammlung verbleiben dann den Ärzten noch sieben Tage weitere Bedenkzeit. Wenn in dieser Zeit die Quote der Ärzte, die zu einem Zulassungsverzicht bereit sind, nicht um mehr als drei Prozentpunkte - also auf 67 Prozent - sinkt, werden die bis dahin anonymen Erklärungen an die Mediverbund GmbH ausgehändigt. Wir leiten diese dann gegebenenfalls mit den Erklärungen aus anderen Regierungsbezirken zu den Kündigungsterminen an die KV weiter.

Ärzte Zeitung: Und wenn Sie das Quorum im Frühjahr nicht erreichen?

Conrad: Es gibt keinen Entscheidungsdruck. Die Körbe bleiben bis 31. Dezember 2009 offen. Die negativen Effekte des neuen EBM und des Gesundheitsfonds in Baden-Württemberg sind Argumente für uns und für unser Korbmodell.

Ärzte Zeitung: Was halten Sie von Korbaktionen einzelner Berufsverbände oder Fachgruppen?

Conrad: Wir sagen allen Ärzten: Schließt euch fachübergreifenden Verbänden an! Wenn die Masse der Ärzte sich am Korbmodell beteiligt, kommen Krankenhäuser nicht auf die Idee, in die ambulante Versorgung zu gehen. Da helfen auch Ärzte aus Polen oder Tschechien nicht.

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