Ärzte Zeitung, 02.12.2010

Sachsens Hausärzte wollen neue Auswahl bei Medizinstudium

DRESDEN/OYBIN (tt). Der sächsische Hausärzteverband kritisiert die Landesregierung, sie tue zu wenig, um mehr Medizinstudenten vom Hausarztberuf zu überzeugen. Ingrid Dänschel, Vorsitzende des Verbands, forderte nach dem Hausärztetag im ostsächsischen Oybin, dass es Fördergelder geben muss, wenn Hausärzte Medizinernachwuchs in der eigenen Praxis ausbilden. Bis jetzt sei der Anreiz dafür zu gering, so Dänschel. Das Sozialministerium in Dresden müsse handeln, um einem Mangel an Hausärzten vorzubeugen.

An den beiden sächsischen Medizinfakultäten in Dresden und Leipzig gibt es laut Hausärzteverband 50 Lehrpraxen für Allgemeinmedizin. "Die Studenten, die da hinkommen, sind immer begeistert", sagt Dänschel. Allerdings seien es schlicht zu wenig Lehrpraxen, um genügend Nachwuchs zu akquirieren. "Es müssen mehr Allgemeinmediziner an die Unis gehen, um dort für den Beruf zu werben", sagte sie. Außerdem sollte das Fach zeitiger im Lehrplan der universitären Ausbildung angeboten werden.

Die Zahl der Medizinstudenten zu erhöhen, um mehr Allgemeinmediziner auszubilden, lehnt Dänschel dagegen ab. Sie widersprach der Auffassung, es gebe in Sachsen einen Mangel an Medizinstudenten. "Wir lassen nur die Falschen studieren", sagte sie dazu. Sie plädiert dafür, dass sich die Auswahlbedingungen für die Studienplätze verändern und nicht die Studentenzahlen. Zum Beispiel könnte die soziale Kompetenz eine wichtigere Rolle spielen: Bei sozial engagierten Studenten steige die Wahrscheinlichkeit, dass sie als Arzt arbeiten wollen. Weniger Bedeutung hingegen müsste dem Numerus Clausus zugemessen werden, so Dänschel.

Der Hausärzteverband selbst will verstärkt in Abiturklassen um Interessenten für den Hausarztberuf werben. Als Beispiel nannte die Vorsitzende die Verbandsinitiative "Abiturienten für Doktorspiele gesucht". Hausärzte informieren dabei an Gymnasien über das Berufsbild.

Topics
Schlagworte
Berufspolitik (17787)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

30 Minuten Bewegung am Tag verhindern jeden 12. Todesfall

Bewegung verlängert das Leben, das bestätigt die bisher größte Studie zum Thema. Und: Bewegung im Alltag reicht dazu schon aus, es muss kein anstrengender Sport sein. mehr »

Welche Gesundheitspolitiker bleiben im Bundestag?

So sehr sich der Bundestag verändert - viele aus der Gesundheitspolitik vertraute Gesichter werden vermutlich wieder im Gesundheitsausschuss arbeiten. Eine Auswahl. mehr »

Merkel beansprucht Führung weiter für sich

Drastische Einbußen, aber immer noch vorn: Die Wähler versetzen der Union einen Kinnhaken. Die große Koalition scheint passé. Auch die Umfrageteilnehmer der "Ärzte Zeitung" hatten bereits im Vorfeld eine neue "GroKo" abgelehnt. mehr »