Ärzte Zeitung, 03.04.2012

Deutlich mehr Heilmittel-Regresse in Hessen

FRANKFURT/MAIN (bee). In Hessen sind die Heilmittelregresse für das Jahr 2009 deutlich gestiegen. Wurden im Prüfjahr 2008 noch 40 Regresse festgesetzt, so sind 2009 bereits 94 Praxen betroffen. Das teilte die Initiative "Heilmittel für Hessen" mit.

Nach Angaben der Initiative hat eine Praxis sogar einen Heilmittelregress über 400.000 Euro erhalten.

"Solche Regresse sind existenzvernichtend, es wird Zeit, dass diese Verfahren endlich abgeschafft werden", erklärte Allgemeinmediziner Dr. Detlev Steininger, Vorsitzender der Initiative.

Die Prüfungen der Heilmittelverordnungen sind gesetzlich vorgeschrieben. Die Initiative wirft den Kassen allerdings vor, bei einer Prüfung die Praxisbesonderheiten nicht ausreichend zu berücksichtigen. Dies gelte vor allem für Schwerpunktpraxen.

"Der Nachweis von Praxisbesonderheiten erfordert wiederum einen hohen bürokratischen Aufwand in den Praxen, denn die müssen jede einzelne Verordnung auch noch nach Jahren begründen können", erklärt Steininger.

Zu aufwändiges Prüfverfahren

Nach Auffassung der Initiative ist auch das Prüfverfahren zu aufwändig. Mit den 94 Regressen kommen Rückforderungen in Höhe von 2,2 Millionen Euro auf die Ärzte zu.

Die sei ein Promillewert im Vergleich zum Heilmittel-Verordnungsvolumen von knapp 256 Millionen Euro im Jahr 2009 in Hessen.

"Wir wissen, dass die Kosten für das Verfahren um ein Vielfaches höher sind als das, was es letztlich einbringt", sagt Dr. Andreas Rutz, Pädiater und stellvertretender Vorsitzender der Initiative.

Die Initiative "Heilmittel für Hessen" hatte sich im Sommer 2007 gegründet. Im Jahr 2008 konnte sie rund 130.000 Unterschriften zur Abschaffung der Richtgrößenprüfung sammeln. Eine Bundesratsinitiative zum Thema scheiterte damals allerdings.

Auch das im Januar 2012 in Kraft getretene Versorgungsstrukturgesetz sieht keine Abschaffung der Richtgrößenprüfung vor, etabliert aber erstmals die Rangfolge "Beratung vor Regress".

Die Initiative wird von der KV Hessen sowie von vielen Berufs- und Patientenverbänden unterstützt.

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