Ärzte Zeitung online, 13.10.2015

Patientenaufklärung

Information verhindert unnötige Op

BERLIN. Eine bessere Honorierung der sprechenden Medizin ist nach Ansicht von Orthopäden und Unfallchirurgen ein wichtiger Baustein, um eine bessere Aufklärung von Patienten zu ermöglichen.

Unnötige oder nicht dringende Operationen ließen sich damit oft vermeiden, hieß es auf der Vorabpressekonferenz zum Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie, der vom 20. bis 23. Oktober in Berlin stattfindet.

Studien in den USA zeigten, dass sich die Zahl der Bandscheiben-Op um 22 Prozent verringerte, nachdem Patienten über verschiedene Behandlungsoptionen umfassend informiert worden waren.

Halbstündige Patientenaufklärung nicht wirtschaftlich

"Das Grundproblem in der Medizin ist: Operatives wird bezahlt, sprechende Medizin wird aber nicht vergütet", kritisierte Dr. Hans-Jürgen Hesselschwerdt, einer der Kongress-Präsidenten.

Das führe bei Kliniken mitunter dazu, dass "vielleicht schneller zum Messer gegriffen" werde als konservativ zu behandeln. Auch für niedergelassene Ärzte sei eine halbstündige Aufklärung von Patienten über alle vorhandenen Behandlungsalternativen nicht wirtschaftlich.

Nur Patienten, die umfassend aufgeklärt seien, könnten auf Augenhöhe mit ihren Ärzten sprechen und Eigenverantwortung für die weitere Behandlung übernehmen. Dafür seien intensive Gespräche nötig. Diese seien in dem jetzigen System aber nicht möglich.

"Wir müssen deshalb gravierende Änderungen bewirken", sagte Professor Rüdiger Krauspe, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie.

Neues Bewegungsprogramm für Rheuma-Kranke angekündigt

Auf der Pressekonferenz kündigte Professorin Erika Gromnica-Ihle, Präsidentin der Deutschen Rheuma-Liga, ein neues Bewegungsprogramm an.

Dieses wird Mitte 2016 starten und richtet sich an Patienten zwischen 25 und 50 Jahren, bei denen eine rheumatische Erkrankung zwar bekannt ist, diese aber kaum oder nur geringe funktionelle Einschränkungen zur Folge hat.

Das Ziel: Die Betroffenen sollen zum lebenslangen Sporttreiben motiviert werden.

Gegenstand des größten Kongresses in Europa werden nicht nur das Thema "Gemeinsam klug entscheiden (chosing wisely)" sein, sondern auch das Pro und Contra der Leitlinien in der Therapie von Wirbelsäulenerkrankungen oder die Hüftendoprothetik. (juk)

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