Ärzte Zeitung, 08.02.2016

Physiotherapeuten

"Regierung bagatellisiert die Situation"

KÖLN. Der Bundesverband selbstständiger Physiotherapeuten (IFK) wirft der Bundesregierung vor, die wirtschaftliche Situation der Heilmittelerbringer zu beschönigen.

Anlass der Kritik ist die Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen-Fraktion. Darin hatte sie die Versorgung mit Heilmitteln als "insgesamt stabil" eingestuft und bei der Einkommenssituation keinen Grund zur Besorgnis gesehen.

Das durchschnittliche Bruttoeinkommen von angestellten Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden und Podologen hatte die Regierung für das Jahr 2010 mit 31.151 Euro beziffert. Das sei zu hoch gegriffen, teilt der Physiotherapeuten-Verband mit. Die verwendeten Daten bezögen sich nur auf den stationären Bereich und auf Praxen mit mehr als zehn Mitarbeitern.

 "Der Großteil der Physiotherapeuten arbeitet jedoch in nicht berücksichtigten kleinen Praxen, bei denen die Verdienststruktur im Durchschnitt deutlich geringer ausfällt." IFK war in einer eigenen Erhebung auf einen Bruttoverdienst von durchschnittlich 26.554 Euro gekommen.

Der Hinweis der Regierung auf den Zuwachs der Heilmittelausgaben zieht nach Einschätzung der Physiotherapeuten nicht. Er sei auf den steigenden Bedarf an Leistungen zurückzuführen und ändere nichts am niedrigen Preis für die einzelne Behandlungseinheit. Auch die stark gestiegenen Praxiskosten würden nicht berücksichtigt, kritisiert der Verband.

Die Bundesregierung beantworte die entscheidende Frage nicht, wie die lebenswichtige Versorgung mit Heilmitteln auch in Zukunft sichergestellt werden könne. "Voraussetzung dafür ist unzweifelhaft eine auskömmliche Finanzierung der Heilmittelversorgung." (iss)

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