Ärzte Zeitung, 20.08.2013
 

Expertenrat

So macht sich die Praxis Rücken-fit

Arbeitsplätze in Arztpraxen sind heute fast immer auch Bildschirmarbeitsplätze. Das AOK-Programm "Rücken aktiv im Job" bietet online viele Tipps, die Ärzte nicht nur für die Beratung ihrer Patienten, sondern auch für ihr Personal und sich selbst nutzen können.

Von Taina Ebert-Rall

So macht sich die Praxis Rücken-fit

Das Online-Programm "Rückenaktiv im Job" könne individuell an den Betrieb angepasst werden, sagt Professor Gerhard Huber vom Institut für Sport und Sportwissenschaft der Uni Heidelberg.

© Universität Heidelberg

BERLIN. "Ein großer Vorteil des Programms besteht darin, dass es exakt auf die Bedürfnisse des jeweiligen Nutzers abgestimmt wird", sagt Professor Dr. phil. Gerhard Huber vom Institut für Sport und Sportwissenschaft der Universität Heidelberg.

Huber ist Experte für Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) und hat das Programm "Rücken aktiv im Job" gemeinsam mit der AOK entwickelt.

Huber: "Der Nutzer bestimmt, wann er wie viel Zeit für die Umsetzung des Programms täglich aufwenden kann. Deshalb kann es zum Beispiel auch sehr gut in die Arbeitsabläufe einer Arztpraxis integriert werden."

Rückenschmerzen sind in Deutschland eine Volkskrankheit: 80 Prozent der Bundesbürger hatten schon einmal Beschwerden im Rückenbereich.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Egal ob Dauerstress, Konflikte oder Unzufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen - all das kann dazu führen, dass sich die Muskulatur der Schultern, des Nackens und des Rückens schmerzhaft verspannt und verhärtet.

Kreuzschmerzen häufigster Grund für Arbeitsunfähigkeit

Außerdem sind Kreuzschmerzen nach Erkenntnissen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) der häufigste Grund für Arbeitsunfähigkeit.

Am häufigsten treten Erkrankungen an der Muskulatur und unspezifische Beschwerden auf. Auch viele Beschäftigte in Gesundheitsberufen kennen Rückenprobleme.

Gezielte Prävention kann aber helfen, den Rücken zu stärken und so Beschwerden vorzubeugen. Deshalb ist es nach Angaben Hubers wichtig, Belastungen am Arbeitsplatz anzusprechen und zu reduzieren. Ausgleich und Entspannung in der Freizeit tun ein Übriges für die Rückengesundheit.

Gesunde Mitarbeiter sind eine wesentliche Voraussetzung für ein erfolgreiches Unternehmen. Arbeitgeber können ihren Mitarbeitern das Online-Programm "Rücken aktiv im Job" anbieten und so wesentlich zu deren Entlastung und Fitness beitragen. "Von 30 Sekunden bis zu fünf Minuten pro einzelner Übung ist alles drin", so Huber weiter.

 "Hauptsache, die Menschen bewegen sich überhaupt. Das kann in der Mittagspause sein, oder nebenher, zum Beispiel beim Telefonieren." Wer viel am Schreibtisch sitzt, sollte nach Hubers Rat gelegentlich aufstehen und darauf achten, dass der Arbeitsplatz nach ergonomischen Gesichtspunkten gestaltet ist.

So sollten beispielsweise Bürostuhl und Schreibtisch gut an die Körpergröße angepasst sein.

Programm zeigt, wie Mitarbeiter und Patienten aktiv werden können

Den besonderen Charme von "Rücken aktiv im Job" macht nach Hubers Überzeugung die Kombination verschiedener Ansätze aus. "Wir gehen das Problem von zwei Seiten an und verbinden Handlungswissen und Effektwissen. Wir zeigen, wie etwas funktioniert und erläutern, was dafür getan werden muss", so Huber.

 "Schließlich wissen wir schon aus der Erziehung von Kindern, dass das Erklären eines Sachverhalts allein nicht hilft, das Verhalten zu ändern. Deshalb haben wir für das Programm einen biopsychosozialen Ansatz gewählt, der Nutzerbarrieren niedrig hält und einfach gestaltete Einstiegsbedingungen hat. Damit verfolgen wir das Ziel, möglichst viele Menschen nachhaltig an körperliche Aktivität heranzuführen. Außerdem sorgen wir dafür, dass die Nutzer des Programms auch nach dessen Ende in kein Loch fallen."

Nach Beendigung des Programms hätten die Nutzer verstanden, wie wohltuend Bewegung für sie ist und könnten selbst aktiv werden.

Besonders rückenfreundliche Sportarten sind übrigens Radfahren und Schwimmen, speziell Rückenschwimmen und Kraulen. Gut für den Rücken sind außerdem Walking, Nordic Walking und Inlineskaten.

Huber: "Das Programm kann in großen und kleinen Betrieben umgesetzt werden, eignet sich für den Friseursalon ebenso wie für die Arztpraxis. Es ist kein Konzept von der Stange, sondern immer wieder individuell angepasst." Und was haben Ärzte von dem Programm? "Sie können es für ihre eigene Gesundheit nutzen und für die Gesundheit ihrer Mitarbeiter. Der Zeitaufwand ist gering, und der Arzt kann die Erkenntnisse aus der Teilnahme gut in die Beratungsgespräche mit Patienten integrieren."

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