Ärzte Zeitung, 24.06.2016

Genom-Editing

"Worauf lassen wir uns ein?"

Die Crisp/Cas9-Technik ermöglicht den gezielten Eingriff in das Genom. Über die ethischen Folgen diskutierte der Ethikrat in Berlin.

Von Anne Bäurle

NEU-ISENBURG. Die Crispr/Cas9-Technik ist ein mächtiges Werkzeug in den Händen von Genetikern und Molekularbiologen. Dementsprechend groß war auch der Andrang bei der Jahrestagung des Deutschen Ethikrats zum Thema "Zugriff auf das menschliche Erbgut. Neue Möglichkeiten und ihre ethische Bewertung". Über 500 Teilnehmer seien in Berlin zusammengekommen, heißt es in einer Mitteilung des Ethikrats.

"Undifferenziertes Bedenkenträgertum ist dabei per se genauso wenig Aufgabe ethischer Reflexionen wie die nachträgliche moralische Weihe schon längst etablierter Verfahren", sagte Peter Dabrock, Vorsitzender des Ethikrats, bei der Eröffnung. Vielmehr müsse man prüfen, worauf "wir uns als Gesellschaft mit Crispr/Cas9 und Co einlassen wollen oder nicht."

Viele Experten plädierten dafür, von Eingriffen in die menschliche Keimbahn abzusehen, da die Risiken weiterhin nicht klar seien. Stattdessen "sollte Alternativen wie die Präimplantationsdiagnostik und die Stammzelltherapie genutzt werden", wird Professor Karl Welte von der Uni Tübingen in der Mitteilung zitiert.

Derzeit verbietet das Embryonenschutzgesetz die künstliche Veränderung der menschlichen Keimbahn. Die Begründung, Keimbahninterventionen wegen der damit verbundenen Gefahren für die Nachgeborenen unter Strafe zu stellen, könnte allerdings künftig entfallen, wenn derartige Eingriffe sicher durchgeführt werden könnten, so Jurist Jochen Taupitz von der Uni Mannheim.

Das enorme Innovationspotenzial des Genom-Editings betonte auch Professor Jörg Vogel von der Uni Würzburg: "Zweifellos sind die neuen Methoden für die Behandlung genetisch bedingter Krankheiten enorm wichtig." Dennoch müsse sich die Gesellschaft über weitreichende soziale, rechtliche und ethische Fragen im Sinne eines verantwortungsbewussten Handelns verständigen.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

„Das ist keine Propagandaschlacht der KBV“

Einiges im geplanten TSVG stößt Ärzten sauer auf. Im Interview erläutern die drei KBV-Vorstände, warum sie denken, dass sich Änderungen noch durchsetzen lassen. mehr »

Besseres Arbeitsklima könnte jeden zwölften Infarkt verhindern

Wer unter Mobbing oder Gewalt am Arbeitsplatz leidet, hat ein stark erhöhtes Risiko für Infarkte. Häufig betroffen: Sozialarbeiter, Lehrer – und Gesundheitsberufe. mehr »

TK senkt Zusatzbeitrag – Barmer nicht

Nach und nach geben die Kassen ihren Beitragssatz für 2019 bekannt – nun taten dies die Kassen-Schwergewichte TK und Barmer sowie zwei weitere AOKen. mehr »