Ärzte Zeitung, 16.10.2013
 

NRW-Gesundheitspreis

Konzepte zur Arzneisicherheit im Heim prämiert

Geriatrische Schulungen und die Einbindung von Hausärzten sind zwei Rezepte, um die Arzneimittelsicherheit in Heimen zu erhöhen. Mehrere Konzepte wurden beim NRW-Gesundheitspreis ausgezeichnet.

KÖLN. Mit einem Bündel von Maßnahmen lässt sich die Arzneimittelsicherheit in Alten- und Pflegeheimen erhöhen.

Dazu zählen geriatrische Schulungen für Pflegende, Fortbildungen für Hausärzte, Hilfsmittel zur Therapiebeobachtung und eine bessere Kommunikation der Beteiligten.

Ein entscheidender Faktor für den Erfolg von Interventionsmaßnahmen zur Reduktion unerwünschter Arzneimittelereignisse ist die effektive Einbindung der Hausärzte.

Das zeigt ein Forschungsprojekt des Lehrstuhls für Klinische Pharmakologie an der Universität Witten/Herdecke.

Für "Arzneimittelsicherheit in Alten- und Pflegeheimen. Querschnittsanalyse und Machbarkeit eines multidisziplinären Ansatzes" haben die Wissenschaftler jetzt den mit 5000 Euro dotierten ersten Preis beim Gesundheitspreis 2013 des Landes Nordrhein-Westfalen erhalten.

An der Ausschreibung zum Schwerpunktthema Arzneimitteltherapiesicherheit hatten sich 48 Institutionen mit 52 Projekten beteiligt.

Brückenschlag zur Praxis

"Den Preisträgern gelingt der erfolgreiche Brückenschlag zwischen Forschung und Praxis zum Wohle der Pflegebedürftigen", lobte Landesgesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) das Siegerprojekt.

Die Forscher hatten die Arzneimittelversorgung von 778 Bewohnern in elf Heimen erfasst. Sie stießen in fünf Monaten auf 102 unerwünschte Ereignisse. Von ihnen wurden zwei Drittel als mild oder moderat eingestuft, 33 Prozent als schwerwiegend oder lebensbedrohlich.

Die Forscher schätzten 66 Prozent der Ereignisse als vermeidbar oder verminderbar ein und 34 Prozent als unvermeidbar oder nicht beurteilbar.

Der zweite mit 3000 Euro dotierte Preis ging an das "Apo-AMTS-Modell" der Apothekerkammer Westfalen-Lippe und der Universität Münster.

Im Mittelpunkt stehen die verbesserte Aus- und Fortbildung von Pharmazeuten im Praktikum und Apothekern sowie die Erstellung von Medikationsplänen.

Einer der beiden dritten Preise (2000 Euro) geht an die "Kalker Apotheke" in Köln. Dort versehen die Apothekenmitarbeiter für Patienten mit türkischer Muttersprache die Arzneimittel mit speziell entwickelten Etiketten, die auf Türkisch Informationen zur richtigen Anwendung enthalten.

Mit dem weiteren dritten Preis wird das interprofessionelle Medikationsmanagement in der Geriatrie des Prosper-Hospitals in Recklinghausen ausgezeichnet.

Ziel des Projekts ist es, durch die enge Zusammenarbeit von Apothekern und Ärzten die Arzneimitteltherapie zu verbessern und ihre Sicherheit zu erhöhen. Die Gesundheitspreise werden am 22. November in Düsseldorf verliehen. (iss)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Frauen schuld an "Männergrippe"?

Jammernde Männer mit Erkältung sind keine Weicheier, sie leiden tatsächlich stärker. Das liegt wohl am Testosteron. Und an Frauen, die testosterontriefende Männer bevorzugen. mehr »

Stammzellgesetz – Bremse für Forscher?

2002 gab es um die Forschung an menschlichen embryonalen Stammzellen eine hochemotionale Debatte. Heute ist der Pionier von ehedem mit dem Stand seiner Arbeit zufrieden. Doch nicht nur er fürchtet durch das Stammzellgesetz Nachteile für Forscher in Deutschland. mehr »

Ebola-Überlebende auch 40 Jahre später noch immun

Eine Forscherin machte sich auf die Suche nach den Überlebenden des ersten Ebola-Ausbruchs – und verspricht sich davon wichtige Erkenntnisse. mehr »