Ärzte Zeitung online, 05.09.2018

Nordrhein-Westfalen

Regierung stößt Befragung zur Pflegekammer an

1500 Pflegefachkräfte werden befragt, wie sie zur Gründung einer Interessenvertretung stehen.

KÖLN. Pflegefachkräfte in Nordrhein-Westfalen können darüber entscheiden, ob sie künftig eine eigene Interessenvertretung haben wollen und wie diese gegebenenfalls aussehen soll. Dazu wird es im Oktober eine repräsentative Befragung geben, hat Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) angekündigt.

Eine Stichprobe von 1500 Pflegefachkräften, die repräsentativ nach Kriterien wie Tätigkeitsfeld oder Ausbildung ausgewählt werden, wird im Auftrag des Gesundheitsministeriums durch das Berliner Markt- und Meinungsforschungsinstitut Info befragt. Die Ergebnisse fließen in einen Bericht ein und sind Grundlage für die Entscheidung des Düsseldorfer Landtags.

"Die Pflegekräfte sollen die Sache nun selbst in die Hand nehmen", sagte Laumann. Wenn sie sich für eine Interessenvertretung aussprechen, seien zwei Modelle denkbar: eine verpflichtende Pflegekammer, die Ärztekammern vergleichbar ist, oder ein freiwilliger Pflegering, wie es ihn in Bayern gibt. Diese Entscheidung wird Teil der Befragung. Dieser Prozess sei ein wichtiger Schritt, so Laumann: "Ich bin der Meinung, dass die Pflege endlich eine eigene Stimme braucht."

Das Gesundheitsministerium hat eine Informationskampagne zum Thema gestartet. Es sei wichtig, dass die Pflegekräfte die Entscheidung auf einer soliden Grundlage treffen, betonte der Minister. Teil der Kampagne sind Veranstaltungen vor Ort, die vom Land finanziell bezuschusst werden.

In NRW gibt es rund 197.000 Pflegefachkräfte. Von ihnen sind 121.000 in der Gesundheits- und Krankenpflege tätig, die übrigen in der Altenpflege. Laumann hofft, dass sich viele Pflegekräfte über das Thema Interessenvertretung informieren und mit Kollegen diskutieren. "Wenn eine Interessenvertretung kommt, dann lebt sie davon, dass die professionell Pflegenden aktiv mitmachen."

Bisher sind Pflegekammern in Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Niedersachsen gegründet worden. (iss)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

So teilt sich die Arbeitszeit von Ärzten auf

Wie viel Zeit bringen Ärzte für GKV-Patienten auf, wie viel für Bürokratie? Wie sind die Unterschiede in Stadt- und Landpraxen und den Fachbereichen? Wir geben Antworten. mehr »

Sepsis – "häufigste vermeidbare Todesursache im Land"

Alle sechs bis sieben Minuten stirbt in Deutschland ein Mensch an einer Sepsis. Viele dieser Todesfälle wären vermeidbar. Ärzte, Patientenschützer und Politiker fordern jetzt: Die Blutvergiftung muss als Notfall akzeptiert werden. mehr »

"Hacker kommen wie durch eine offene Tür in Arzt-Systeme"

Nehmen niedergelassene Ärzte Gefahren durch Cyber-Angriffe ernst genug? Sie selbst glauben das mehrheitlich. Ein Sicherheitsexperte gießt Wasser in den Wein. mehr »