Ärzte Zeitung, 14.11.2014

Versorgungsqualität

"Die Notwendigkeit der Op zählt"

Der GBA-Vorsitzende Josef Hecken warnt davor, bei der Qualitätsmessung die Gewichte zu sehr auf Ergebnisqualität zu legen.

DÜSSELDORF. Kernaufgabe des neuen Instituts für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen wird es sein, die Diagnosequalität zu verbessern. Davon geht der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA) Josef Hecken aus. "Es geht nicht nur darum festzustellen, ob ein Eingriff richtig erfolgt ist, sondern zu überprüfen, ob er für den Patienten überhaupt notwendig war", so Hecken beim Medica Econ Forum der Techniker Krankenkasse.

Als Beleg führte er die Transkatheter-Aortenklappen-Implantation (TAVI) an. Der minimalinvasive Eingriff sei zugelassen worden, um betagten multimorbiden Patienten den Einsatz einer neuen Herzklappe zu ermöglichen. Seit der Zulassung gebe es pro Jahr eine Steigerung der Fallzahlen um 300 Prozent, das Durchschnittsalter der Patienten sinke jährlich um drei Jahre.

Das liege mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht daran, dass die Zahl jüngerer Hochrisikopatienten drastisch zugenommen habe, sagte Hecken. Der Grund sei wohl eher, dass die Kliniken für eine TAVI 37.000 Euro bekommen aber für die maximalinvasive Operation 12.700 Euro. "Das zeigt, wie zentral die Verbesserung der Diagnosequalität ist."

Der GBA-Vorsitzende warnte davor, künftig nur auf die Ergebnisqualität zu setzen. Es werde lange dauern, bis hierfür gerichtsfeste Modelle entwickelt seien. "Wir müssen weiterhin an der Verbesserung von Struktur- und Prozessqualität einschließlich der Mindestmengen arbeiten."

Modelle der qualitätsorientierten Vergütung sollten seiner Meinung nach zunächst in Selektivverträgen erprobt werden. "Es ist ganz wichtig, dass wir bei pay for performance-Überlegungen ein sehr differenziertes Messinstrumentarium haben, das manipulationsunanfällig ist und im Wesentlichen aus Routinedaten gespeist werden kann".

Grundsätzlich machen solche Modelle für Hecken nur Sinn, wenn Leistungserbringer, die die definierten Kriterien nicht erfüllen, von der Versorgung ausgeschlossen werden können. (iss)

[19.11.2014, 12:56:03]
PD Dr. Reinhold Ramoner 
Aber ohne Ergebnisqualität geht es auch nicht!
Sehr geehrte Leser der Ärztezeitung
Eine solide Diagnosequalität ist die wichtigste Grundvoraussetzung für eine gute Ergebnisqualität. Je besser die Sensitivität und Spezifität sind, desto wahrscheinlicher wird der Patient die richtige Therapie bekommen und wird von den Risiken der Übertherapie verschont bleiben. Je unsicherer oder ungenauer die Diagnoseformen sind, desto variabler werden die Indikation zur den Therapieformen ausfallen.
Aus meiner Sicht spielt für den Patienten die Diagnosequalität bzw. die Ergebnisqualität die Größte Rolle. Für vernünftige aussagekräftige Rechenmodelle ist die Diagnosequalität mit der Ergebnisqualität immer im Kontext zu sehen.
Mit besten Grüßen
Reinhold Ramoner
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