Ärzte Zeitung, 11.03.2008

KOMMENTAR

Marketing auf Kosten der Ärzte

Von Jürgen Lutz

"Fünf Euro fürs Stempeln? Das ist ja eine Unverschämtheit": So oder ähnlich wird wohl mancher Patient reagieren, der erfährt, dass er für ärztliche Bestätigungen, die ihm zu einem Bonus seiner Krankenkasse verhelfen, Geld zahlen muss. Doch Praxischefs sollten sich davon nicht schrecken lassen, sondern ihre Position klar und deutlich vermitteln.

Tatsache ist: Die Bonusprogramme der gesetzlichen Krankenkassen sind nicht Teil der vertragärztlichen Versorgung. Vielmehr gehören sie zum Marketing und sollen der Bindung und Rekrutierung von Mitgliedern dienen. So erhalten AOK-Patienten, die Früherkennungsuntersuchungen und Impfungen nachweisen, einen satten Bonus von 70 Euro.

Tatsache ist auch: Viele Kassen gehen davon aus, dass Ärzte den Nachweis gratis erstellen. Und die meisten Patienten denken genauso. An diesem Punkt sollten Praxischefs intervenieren. Denn ihnen ist nicht zuzumuten, dass sie Leistungen, von denen andere profitieren, kostenlos erbringen.

Erleichtern können sich Ärzte die Argumentation mit einem gut positionierten Aushang am Praxistresen. Dabei sollten sie darauf hinweisen, dass die Bestätigung für eine Teilnahme am "Bonusprogramm" aus den oben genannten Gründen nicht unentgeltlich erfolgen kann. Wer möchte, kann den Kassen den Ball auch zurückspielen - mit einem Hinweis darauf, dass Patienten bei ihrer Kasse natürlich die Erstattung der Bestätigungsgebühr beantragen können.

[11.03.2008, 13:21:36]
Ralf Steinmeier 
Bonusprogramme durchaus sinnvoll
ich finde die Idee die Versicherten durch Bonusprogramme zu mehr Eigenverantwortung zu bringen sinnvoll, es wäre schade, wenn die Ärzte sich politisieren lasen und den Versicherten den "kleinen" Stempel verweigern- zumal es bei der AOK Rheinland/Hamburg KEINE Geldprämien gibt. Die Versicherten müssen für Ihre Gesundheit immer tiefer in die Tasche greifen und Teile der Ärzteschaft profitieren ja auch davon. zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Angst vor Stürzen sorgt für Verzicht auf Antikoagulans

Ein erhöhtes Sturzrisiko ist noch immer der häufigste Grund, auf eine orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern zu verzichten. mehr »

"Mehr Geld für Kranke, weniger für Gesunde"

15:47Die Verteilungsregeln für den Finanzausgleich zwischen den Krankenkassen sollen deutlich verändert werden. Das hat ein Expertenkreis beim Bundesversicherungsamt jetzt vorgeschlagen. Die Meinung der Kassen ist geteilt. mehr »

Warum der Zuckersirup zum dicken Problem werden könnte

Seit Anfang Oktober gibt es in der EU keine Quotenregelung mehr für die aus Mais, Getreide oder Kartoffeln gewonnene Isoglukose. Experten befürchten eine Zunahme von Übergewicht und Diabetes. mehr »