Ärzte Zeitung, 19.09.2010

"Privatversicherer müssen flexibler werden"

"Privatversicherer müssen flexibler werden"

Der Privatversicherer Continentale geht in die Offensive: Beim PKV-Forum in Köln forderte dessen Vorstand Dr. Christoph Helmich, sich weniger über den Preis, sondern mehr über Leistungen zu definieren.

© dpa

KÖLN (iss). Die PKV solle wieder mehr über Leistungen als über Preise reden, forderte der Vorstand der Continentale Krankenversicherung Dr. Christoph Helmich auf dem PKV-Forum in Köln. Der Trend in der privaten Krankenversicherung (PKV), über billige Einsteigertarife mit niedrigem Leistungsniveau Kunden zu locken, wird langfristig schädlich für die Branche sein.

Davon geht Dr. Christoph Helmich aus, Vorstand der Continentale Krankenversicherung. "Da steht unsere Existenzberechtigung auf dem Spiel, eine zweite GKV brauchen wir nicht", so Helmich.

"Früher waren wir preiswerter und besser, heute sind wir preiswerter oder besser", sagte er. Der Fehler der PKV sei gewesen, dass sie den Preis für den Krankenversicherungsschutz lange Zeit zu stark in den Vordergrund gestellt habe. "Wir müssen wieder mehr über die Leistungsseite reden - darüber, wo wir besser sind", forderte Helmich.

Er sieht mehrere Herausforderungen für die PKV. Sie müsse bei ihren Versicherten verstärkt ein wirtschaftliches Verhalten fördern. Dafür gebe es Instrumente wie Selbstbehalte oder Beitragsrückerstattungen bei Leistungsfreiheit. "Diese Elemente müssen wir weiter ausbauen."

Notwendig sei für die Branche zudem ein faires Verhältnis zur GKV. Die PKV werde auch künftig nur dann mehr Leistungen und Qualität für ihre Versicherten erhalten, wenn sie auch mehr zahle. Unterschiedliche Preise wie zurzeit noch bei Arzneimitteln seien nicht akzeptabel. "Mehr Geld ohne mehr Leistung ist nicht fair."

Wichtig sei eine klare Grenzziehung zwischen PKV und GKV bei Zusatzversicherungen. "Dann können wir exakt auf die GKV abgestimmte Produkte anbieten." Die Privatversicherer müssen nach Helmichs Einschätzung flexibler werden und den Krankenversicherungsschutz den Veränderungen im Lebenslauf oder beim Familienstand anpassen.

Auch auf den künftig steigenden Bedarf der Versicherten nach Assistanceleistungen müsse sich die Branche einstellen und zusätzliche Dienstleistungen anbieten. "Die Frage ist allerdings, ob die Kunden bereit sind, dafür Geld auszugeben." Helmich erwartet nicht, dass die PKV in großem Stil eigene Ärztenetze aufbauen und den Kunden darauf zugeschnittene Policen anbieten wird.

"Wir haben als PKV überhaupt nicht die ausreichende Flächendeckung, um das durchsetzen zu können." Anders sehe es aus, wenn es künftig engere und weitergehende Kooperationen mit den Krankenkassen geben wird. "Dann werden sich auch im Verhältnis zu den Leistungserbringern ganz neue Strukturen entwickeln", sagt er.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

In kleinen Schritten zum Normalgewicht

Manch eine Adipositas-Therapie scheitert daran, dass die geforderte große Gewichtsabnahme Betroffene abschreckt. Forscher plädieren nun dafür, die Stoffwechsel-gesunde Adipositas als erstes Therapieziel zu definieren. mehr »

Welche Reformen sind dringend notwendig?

Bürgerversicherung, Regressrisiko, GOÄ: Unsere Leser haben abgestimmt, welche Themen in der Gesundheitspolitik die nächste Bundesregierung unbedingt anpacken sollte. mehr »

Patienten sollen für Infos zahlen

Patienten und Angehörige sind bei beratungsintensiven Erkrankungen häufig hilflos. Viele Akteure versuchen, neutrale Angebote im Internet bereitzustellen. Ein Biologe will nun Beteiligte auf einer Plattform zusammenführen. mehr »