Ärzte Zeitung online, 17.10.2017
 

Honorarbilanz

Pädiater fürchten ein Ausbluten

Die Kinder- und Jugendärzte üben scharfe Kritik an den Honorarbeschlüssen für 2018. Nicht einmal die Inflationsrate werde ausgeglichen, heißt es. Zuletzt haben sich die Einkommen allerdings durchaus positiv entwickelt.

Von Raimund Schmid

Pädiater fürchten ein Ausbluten

Bei der Patientenbetreuung haben Pädiater gut Lachen. Ob beim Honorar auch, bestreitet der Verband.

© Kzenon / Fotolia

BAD ORB. Trotz steigender Fallzahlen und Umsätze hat der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) beim Herbstkongress scharfe Kritik an der Honorarerhöhung für 2018 geübt. Diese falle mit einem Plus von 1,18 Prozent "absolut unzureichend" aus, hieß es. Zur Erinnerung: Kassenärztliche Bundesvereinigung und GKV-Spitzenverband hatten sich auf eine entsprechende Erhöhung des Orientierungswertes (Punktwert) für EBM-Leistungen geeinigt (wir berichteten). Im kommenden Jahr wird jeder Punkt damit mit exakt 10,6543 Cent vergütet.

Außerdem wird die Morbiditätsbedingte Gesamtvergütung um knapp 80 Millionen Euro erhöht, und es wird mit einer Steigerung der extrabudgetären Honorare (etwa für Impfungen) um 400 Millionen Euro gerechnet.

BVKJ-Präsident Dr. Thomas Fischbach verwies dabei in Bad Orb darauf, dass die Teuerungsrate seit Monaten in Folge steige und zuletzt im August bei 1,8 Prozent lag. Die Energiekosten, die Preise für Mieten, medizinische Geräte und die Kosten des Praxisbedarfs stiegen damit stärker als die Honorare. Zudem müssten auch die bis zu 4,1 Prozent überproportional gewachsenen Gehälter der Medizinischen Fachangestellten (MFA) aufgefangen werden.

Erschwerend komme hinzu, heute rund 20 Prozent der pädiatrischen Leistungen erst gar nicht vergütet würden. Fischbach: "Die Kinder- und Jugendmedizin droht auszubluten", so Fischbachs Kommentar.

Reduktion des Arbeitseinsatzes?

Um diesen Trend zu stoppen, werde derzeit in verbandsinternen Gremien an einer Empfehlung an die BVKJ-Mitglieder gearbeitet, eine Zeit lang ein Fünftel der von Kinder- und Jugendärzten erbrachten Arbeitsleistung auszusetzen. Selbstverständlich würden alle akut kranken Kinder wie gewohnt weiter behandelt werden. Doch alles, was aufgeschoben werden könne, werde dann eben aufgeschoben.

255.000 Euro Jahresumsatz

Dabei sieht die aktuelle Honorarbilanz, die BVJK-Honorarexperte Dr. Reinhard Bartezky in Bad Orb präsentiert hat, gar nicht so düster aus. So ist zum Beispiel der durchschnittliche Jahresumsatz eines Kinder- und Jugendarztes von 188.900 Euro im Jahr 2007 auf 255.132 Euro 2016 gestiegen, eine Steigerung um rund 35 Prozent binnen neun Jahren. Hinzu kommen die zusätzlichen Einnahmen aus Selektivverträgen, die sich auch zuletzt spürbar nach oben entwickelt haben.

Und auch bei den Fallzahlen (1118 im 4. Quartal 2016) und den Fallwerten (59,13 Euro Jahresmittelwert 2016) konnten die Pädiater in jüngster Zeit deutlich zulegen.

Allerdings wies Bartezky auch darauf hin, das die Entwicklung in den einzelnen Bundesländern höchst unterschiedlich verläuft. Während die Fallzahlen im Bundesland Hessen mit 1270 und in Westfalen-Lippe mit 1374 im 4. Quartal 2016 sehr hoch lagen, kommen die bayerischen Pädiater auf nicht einmal 1000 Fälle im Quartal. Jedoch lägen im Freistaat die Honorare aus Selektivverträgen deutlich höher.

Fallwerte zwischen 53 und 67 Euro

Große Verwerfungen gibt es auch bei den Fallwerten. Kinder- und Jugendärzte in Thüringen konnten dort 2016 fast 64 Euro und in Bayern gar 67 Euro ausweisen. Mit 14 Euro weniger (52,94 Euro) müssen dagegen die Berliner Pädiater auskommen.

Trotz der insgesamt positiven Honorarbilanz übte auch Bartezky in Bad Orb scharfe Kritik am nur leicht erhöhten Orientierungswert. Angesichts der Finanzreserven der GKV in Höhe von 17,5 Milliarden Euro sei diese Entscheidung aus Sicht der Ärzte in keiner Weise nachvollziehbar.

20 % der pädiatrischen Leistungen werden nach Berechnungen des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte von den KVen gar nicht vergütet.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Wie Grippeviren ihr Erbgut steuern

Forscher haben nachgewiesen, wie Gene von Influenza-A-Viren an- und abgeschaltet werden. Die Erkenntnisse sollen die Entwicklung neuer Therapien vorantreiben. mehr »

Mehr Transparenz soll die Wogen der SPRINT-Studie glätten

Der Streit um die SPRINT-Studie hält an. Im Fokus steht die genutzte Methode der Praxisblutdruckmessung, um die sich Gerüchte rankten. Jetzt hat die SPRINT-Gruppe für mehr Transparenz gesorgt. mehr »

Vorsorge für den Brexit – Ansturm auf das Aufenthalts-Zertifikat

Viele Gesundheitsfachkräfte aus EU-Ländern haben Großbritannien schon verlassen. Diejenigen, die bleiben wollen, versuchen nun, das "Settled-Status"-Zertifikat zu erlangen. mehr »