Ärzte Zeitung online, 30.01.2017
 

Personal

Gute Praxismitarbeiter finden und halten

Fachkräftemangel, den merken viele Praxen nicht nur bei der Suche nach ärztlichen Nachfolgern. Auch qualifizierte und motivierte MFA oder Auszubildende werden zunehmend rar am Arbeitsmarkt. Folgende Tipps helfen, Mitarbeiter zu finden und langfristig an die Praxis zu binden.

Von Birgit Hallmann

Gute Praxismitarbeiter finden und halten

Die MFA prägen durch ihr Verhalten und ihre fachlichen Leistungen das Image der Praxis ganz entscheidend.

© Robert Kneschke / Fotolia.com

NEUSTADT. Ein Team qualifizierter und motivierter Mitarbeiter ist für jede Arztpraxis ein wichtiger Erfolgsfaktor. Denn Mitarbeiter prägen durch ihr Verhalten und ihre fachlichen Leistungen das Image der Praxis ganz entscheidend. Mit den folgenden Maßnahmen sorgen Sie dafür, dass Sie gute Mitarbeiter für Ihre Praxis finden und dass diese Mitarbeiter der Praxis auch langfristig treu bleiben.

Effiziente Suche

Bei der Suche nach neuen Mitarbeitern sollten Praxischefs auf Empfehlungen setzen. Fragen Sie zunächst Ihre derzeitigen Mitarbeiter, ob sie durch persönliche Kontakte einen geeigneten Mitarbeiter kennen, der fachlich und persönlich in das Praxisteam passen würde (zum Beispiel aus dem Freundes- und Bekanntenkreis). Denn kein Teammitglied empfiehlt einen potenziellen Mitarbeiter, der keine Leistung bringt.

Daneben sind tatsächlich Stellenanzeigen in der Regionalpresse, in Fachzeitschriften und auch in Internet-Jobbörsen meist die erfolgreichsten Maßnahmen. Ebenso wie ein Hinweis auf der Praxis-Homepage (Button: "Jobs" / "Karriere") – der gerne vergessen wird.

Leider kommt es immer wieder vor, dass sich Bewerber in den Bewerbungsunterlagen sehr vorteilhaft darstellen, die tatsächlichen Kenntnisse und Fähigkeiten den geweckten Erwartungen dann aber doch nicht entsprechen. Den bestmöglichen Eindruck von den tatsächlich vorhandenen Kenntnissen erhalten Sie, wenn Sie den Bewerber im Vorstellungsgespräch von seiner bisherigen Tätigkeit erzählen lassen und dabei einige gezielte Zwischen- oder Detailfragen stellen. Fragen Sie auch nach den Gründen für den angestrebten Arbeitsplatzwechsel und besprechen Sie den genauen Inhalt der zukünftigen Tätigkeit, damit das Arbeitsverhältnis nicht wegen unerfüllter Erwartungen zeitnah wieder beendet werden muss.

Gutes Betriebsklima wiegt viel

Um gute Mitarbeiter dauerhaft an die Praxis zu binden ist nicht nur ein angemessenes Gehalt, sondern vor allem ein angenehmes Betriebsklima erforderlich. Denn der Grund für Kündigungen durch Mitarbeiter liegt häufig nicht in der Art der fachlichen Tätigkeit, sondern an den Rahmenbedingungen (Arbeitsbelastung, Kollegen, Chefs). Diese Faktoren können Sie direkt beeinflussen und ein Arbeitsumfeld schaffen, in dem sich Ihre Mitarbeiter so wohl fühlen, dass ein Arbeitsplatzwechsel gar nicht erst in Erwägung gezogen wird.

Wenn in einer Arztpraxis dauerhaft Stress, Hektik und Überlastung herrschen, so wird sich dies früher oder später auf den Umgang der Kollegen untereinander auswirken und gegebenenfalls zur Kündigung durch ständig überforderte Mitarbeiter führen. Suchen Sie daher bei dauerhaften Überlastungssituationen gemeinsam mit Ihrem Team nach einer Lösung und sorgen Sie durch eine vorausschauende Einsatzplanung dafür, dass eine permanente Überforderung einzelner Mitarbeiter vermieden wird.

Gemeinsame Spielregeln

Als Chef müssen Sie durch Ihr Verhalten stets Vorbild für einen höflichen und respektvollen Umgang miteinander sein. Achten Sie insbesondere darauf, dass Sie keinen Mitarbeiter benachteiligen oder bevorzugen, denn ungerechtfertigte "Sonderrechte" für einzelne Mitarbeiter führen schnell zur Verärgerung der Kollegen. Reden Sie auch niemals negativ über abwesende Mitarbeiter. Wenn es etwas zu kritisieren gibt, so besprechen Sie den Kritikpunkt unter vier Augen mit dem betreffenden Mitarbeiter. Umgekehrt freut sich jeder Mitarbeiter und jedes Team über ein gelegentliches Lob für gute Leistungen.

In vielen Arztpraxen hat es sich bewährt, im Team verbindliche Vereinbarungen für eine harmonische, zwischenmenschliche Zusammenarbeit und für ein gutes Betriebsklima zu erarbeiten. Diese Teamregeln werden schriftlich fixiert, von allen Teammitgliedern unterschrieben und im Pausenraum aufgehängt. Auf diese Weise sind die Teamregeln täglich im Blickfeld, geraten nicht wieder in Vergessenheit und sind auch für jeden neuen Kollegen sofort wahrnehmbar.

Wenn in der Arztpraxis dennoch Konflikte zwischen einzelnen Mitarbeitern auftreten, so sollten diese zwischenmenschlichen Differenzen offen ausgesprochen und gemeinsam gelöst werden. Unausgesprochene oder ungelöste Differenzen zwischen einzelnen Mitarbeitern belasten häufig die gesamte Stimmung im Team. Nutzen Sie Mitarbeiterbesprechungen oder Einzelgespräche, um auftretende Probleme zeitnah zu besprechen.

Birgit Hallmann ist Fachautorin in Neustadt und Referentin für Praxismanagement, Medikationsmanagement und QMS.

So erfassen Sie die Stimmung im Team

Was läuft im Praxisteam derzeit gut/schlecht?

Ist die Arbeitsbelastung akzeptabel?

Sind einzelne Mitarbeiter fachlich überfordert?

Gibt es Meinungsverschiedenheiten oder Konflikte im Team?

Sind Änderungen an den "Teamregeln" erforderlich?

Was kann ich allgemein für mein Team tun?

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Progesteron-Gel kann Frühgeburt vermeiden

Sinkt der Progesteronspiegel in der Schwangerschaft zu früh, verursacht das wohl eine vorzeitige Wehentätigkeit und Geburt.Einige Frauen schützt eine vaginale Hormonapplikation davor. mehr »

Statine mit antibakterieller Wirkung

Die kardiovaskuläre Prävention mit einem Statin schützt möglicherweise auch vor Staphylococcus-aureus-Bakteriämien. Das hat eine dänische Studie ergeben. mehr »

Das steht in der neuen Hausarzt-Leitlinie Multimorbidität

Die brandneue S3-Leitlinie Multimorbidität stellt den Patienten als "großes Ganzes" in den Mittelpunkt – und gibt Ärzten eine Gesprächsanleitung an die Hand. mehr »