Ärzte Zeitung online, 21.08.2019

Telemedizin

Klinik startet Sprechstunde per Video

Eine speziell geschulte Klinikärztin entscheidet per Videocall, wie der Notfallpatient weiter verfahren sollte.

NEUMÜNSTER. Nicht nur für Arztpraxen ist die Videosprechstunde eine Option: Das Friedrich-Ebert-Krankenhaus (FEK) in Neumünster hat in dieser Woche eine Videosprechstunde für Notfallpatienten gestartet. Ziel ist es, die Notaufnahme zu entlasten und die Versorgung „echter“ Notfallpatienten zu stärken.

Zunächst an fünf Tagen in der Woche für jeweils vier Stunden können Notfallpatienten die Videosprechstunde nutzen. An den ersten Tagen war die Resonanz nach Auskunft der Projektverantwortlichen Louisa Schube zwar noch sehr verhalten. Sie führt dies aber darauf zurück, dass das Angebot in Neumünster noch weitgehend unbekannt ist. Mittelfristig erwartet sie fünf bis sechs Patienten täglich.

Zum Angebot führt ein Button auf der Homepage des Krankenhauses, das für die virtuelle ärztliche Beratung einen festen Termin vergibt. Bevor die für das Angebot geschulte Ärztin des FEK zugeschaltet wird, geht eine Mitarbeiterin einen standardisierten Fragebogen mit dem Patienten durch. Die Antworten ermöglichen der Ärztin einen schnellen Überblick und verkürzen die Konsultation.

Nach dem Patientengespräch entscheidet die Ärztin, ob der Patient ein Notfall ist, ob er in die Sprechstunde niedergelassener Ärzte gehört oder ob kein Arztkontakt erforderlich ist. An den beiden ersten Tagen war keine Klinikeinweisung erforderlich, es reichte ein Hinweis zum Besuch in der Sprechstunde niedergelassener Ärzte.

Damit stammten die ersten Fälle aus der vermuteten Zielgruppe: Die Notaufnahme des FEK wird nach eigenen Angaben zu 70 Prozent von Menschen aufgesucht, die dort nicht hingehören. Weil viele Krankenhäuser ähnliche Erfahrungen mit vollen Notaufnahmen sammeln, erfährt das Projekt finanzielle Unterstützung vom Land Schleswig-Holstein. Für die Projektdauer von zwei Jahren stellt das Land 500000 Euro aus dem Versorgungssicherungsfonds bereit. Aus diesen Mitteln werden die Kosten für das Projekt bestritten.

Für Gesundheitsminister Dr. Heiner Garg stellt die Videosprechstunde eine Alternative zur Vorstellung in der Notaufnahme dar. Die Ärzte sind nach Auskunft der Verantwortlichen aufgeschlossen und „gespannt, wie es läuft.“ (di)

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