Ärzte Zeitung online, 25.09.2019

Digital Health

Digitale Anwendungen nicht für jeden Patienten geeignet

Auch in Hausarztpraxen kommen zunehmend digitale Anwendungen zum Einsatz. Beim DEGAM- Kongress wurden ihre Möglichkeiten im Praxisalltag vorgestellt. Ergebnis: Sie können hilfreich sein.

Von Raimund Schmid

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Hypertoniemanagement am Smartphone: Apps bieten etliche Ergänzungen zur reinen Messung.

© Prykhodov / Getty Images / iStock

ERLANGEN. Digitale Gesundheitsangebote überschwemmen den Gesundheitsmarkt und sind kaum mehr zu überblicken. Tausende neue Gesundheits-Apps werden in jedem Jahr neu entwickelt und kommen auf den Markt. Doch wie effizient sind Sie? Was bringen Sie dem Patienten und in welcher Weise profitiert der Arzt davon? Das war eines der Themen beim 53. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) in Erlangen. Anhand zweier Beispiele dieser Digital-Health-Modelle führte Arian Karimzadeh von Institut für Hausarztmedizin in Bonn die praktische Relevanz der neuen Anwendungen vor.

Blutdruck-Apps beispielsweise, so Karimzadeh, könnten durchaus ein wirksames Mittel sein, um den Hausarzt bei der Behandlung von Hypertoniepatienten zu unterstützen. Um das festzustellen, müssen die Apps jedoch hinsichtlich ihrer Funktionen überprüft werden.

Elf Hypertonie-Apps im Test

Genau das hat der Forscher getan: Um das Potenzial von Blutdruck-Apps herauszufinden und zu beurteilen, wurden elf Apps hinsichtlich ihrer Funktionalität getestet und bewertet. Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Alle elf Apps (100 Prozent) ermöglichen die Eingabe von Blutdruckwerten und Puls und lassen eine Blutdruckverlaufsdokumentation und den Export solcher Daten zu.
  • Die meisten Apps bilden auch den Blutdruckverlauf ab (90 Prozent), messen zuverlässig den BMI (81 Prozent) und ermöglichen die Kopplung von Blutdruck-Messgerät und Smartphone (54 Prozent).
  • Weniger als die Hälfte der Apps arbeiten mit Reminder zur Medikamenteneinnahme (45 Prozent) oder erlauben auch eine Dokumentation der Laborwerte (36 Prozent).
  • Nur die wenigsten Apps waren mit einem App-Gütesiegel (18 Prozent – also gerade mal zwei von elf) ausgezeichnet. Und: Aspekte der Ernährung im Rahmen der Hypertonieschulung kommen nur bei neun Prozent zum Zuge. Nicht eine einzige App vermittelt Adressen von Selbsthilfegruppen und nur eine einzige App bietet die Option, einen Medikamentenplan und die Medikamentengabe mit einzubinden.

Verbesserte Selbstreflexion

Um die richtige Steuerung der Einnahme von Medikamenten – speziell Antidepressiva – geht es auch beim IT-gestützten PReDic-Test, der in Erlangen von Cornelia Ploeger vom Institut für Allgemeinmedizin der Uni Frankfurt vorgestellt worden ist. An einer Studie teilnehmende Ärzte (9) und Patienten (20) wurden dabei über leitfadengestützte (Telefon)-Interviews befragt.

Die Auswertung des dafür entwickelten Fragebogens erfolgte über eine strukturierende qualitative Inhaltsanalyse, die belege, heißt es, dass mit Hilfe des über acht Wochen lang immer wieder eingesetzten Tests auf Basis der Outcome-Messungen die Medikation immer wieder angepasst werden konnte. Der software-basierte Test könne somit ein hilfreiches Instrument bei der Einstellung von Antidepressiva sein.

Die wichtigsten Ergebnisse aus Sicht der Patienten: Erhöhung des Gefühls der Selbstkontrolle, verbesserte Selbstreflexion und große örtliche und zeitliche Flexibilität bei der Anwendung. Die Ärzte hoben als Ergebnisse die Stärkung der eigenen Entscheidungsfindung sowie die Verbesserung der Arzt-Patienten-Kommunikation hervor. Der Fragebogen sei ein Anknüpfungspunkt für vertiefende Gespräche.

Allerdings räumten die Ärzte auch ein, dass beim PReDic-Test wie bei vielen weiteren IT-gestützte Programmen die nicht unerheblichen zeitlichen Ressourcen gerade bei der Implementierung und der ersten Anwendung negativ zu Buche schlagen. Viele Digital-Health-Angebote seien zudem nicht für alle Patienten einer Krankheitsgruppe geeignet. Bei den Hypertonie-Apps müsse eine technische Affinität vorhanden sein. Und die Anwendung des PReDic-Tests komme bei älteren Patienten und bei schwerwiegend depressiv-Kranken eher nicht in Frage.

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