Ärzte Zeitung, 18.11.2016
 

Hochdruckliga

Apps auf Herz und Nieren prüfen

Die Deutsche Hochdruckliga konkretisiert ihre Pläne, ein Gütesiegel für medizinische Apps aufzulegen.

DÜSSELDORF. Apps seien grundsätzlich gut geeignet, die Behandlung chronisch kranker Patienten zu optimieren, betonte der Geschäftsführer der Deutschen Hochdruckliga (DHL), Mark Grabfelder, bei einer Veranstaltung im Rahmen der Medizinmesse Medica in Düsseldorf.

 Sie böten die Chance, die Compliance zu verbessern, die Arzt-Patienten-Beziehung zu stärken und Risiken und Nebenwirkungen einer Therapie besser zu erkennen. "Bisher gibt es aber kein Label für Betroffene und Ärzte, das darüber informiert, ob digitale Helfer sicher, nützlich und medizinisch fundiert sind", so Grabfelder.

Die DHL will das ändern und ein Gütesiegel einführen, das Apps erhalten, die "von Betroffenen und von Ärzten empfohlen" werden. Idee: Der Hersteller beantragt und bezahlt das Siegel, das nach 18 Monaten jeweils erneuert werden muss. Von Expertenseite sollen mindestens ein Arzt, ein Datenschützer und ein Rechtsanwalt die App bewerten. Dazu kommen "mindestens zwanzig bis dreißig" Patienten, die die App im Alltag testen.

Unmittelbar vor Einführung befindet sich das Gütesiegel noch nicht. "Wir sind in der Prätestphase", so Grabfelder. Ein Katalog mit 68 Fragen wurde mittlerweile erstellt, den Hersteller beantworten müssen. Außerdem wurden 22 "K.o.-Kriterien" definiert, deren Nicht-Erfüllung die Verleihung des Gütesiegels von vornherein ausschließt. Zudem wurden zehn freiwillige, "lobenswerte Eigenschaften" definiert, die, wenn sie erfüllt sind, bei Verleihung des Gütesiegels gesondert Erwähnung finden.

Zu den K.o.-Kriterien gehören unter anderem eine hinreichende Qualifizierung der als Referenz benannten Mediziner, die Berücksichtigung aktueller Leitlinien, eine adäquate Deklaration gemäß Medizinprodukterecht, ein überzeugendes Datenschutzkonzept, eine vollständige Datenschutzerklärung und eine Selbstverpflichtung zur Meldung von Datenmissbrauch.

Auch dürfen Daten nur in Deutschland gespeichert und müssen über gesicherte Verbindungen übertragen werden.Lobenswerte Erwähnung finden soll unter anderem, wenn eine App zusätzlich über ein externes Datenschutzsiegel verfügt, wenn die Weitergabe persönlicher Daten explizit ausgeschlossen wird, wenn Datenlöschung möglich und der Grundsatz der Datensparsamkeit erfüllt ist. Ausdrücklich möchte die DHL ihr Gütesiegel nicht auf den Bluthochdruck beschränken: "Wir suchen Mitstreiter aus anderen Fachgesellschaften und von anderen Betroffenenorganisationen", so Grabfelder. (gvg)

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