Ärzte Zeitung online, 26.11.2018

Anlagen-Kolumne

Folgt jetzt die Spirale nach unten?

Ist die jahrelange Hausse an der Börse jetzt vorbei? Noch gibt es Hoffnung, dass der aktuelle Trend wieder dreht.

Von Jens Ehrhardt

Folgt jetzt die Spirale nach unten?

Der unabhängige Fondsmanager Dr. Jens Ehrhardt erreicht mit seinen Fonds immer wieder Spitzenplätze unter den Vermögensverwaltern.

Die Hauptursache für den massiven Börsenabsturz seit Oktober dürfte in der Liquiditätsverknappung der Notenbanken zu suchen sein.

Jahrelang haben wir an dieser Stelle über die QE-Maßnahmen (Anleihenkäufe durch Zentralbanken) als wesentlichen Treiber für den Börsenaufschwung geschrieben. In diesem Jahr werden diese Käufe in den USA zum Teil rückabgewickelt, das belastet.

Das Konjunkturniveau allein und die Zahlen der Unternehmen sind bei weitem noch nicht so schwach, wie die Börsenkurse reagieren. Allerdings sind, wie hier bereits geschrieben, Aktienkurse ein guter Frühindikator für kommende Entwicklungen und reagieren nicht auf das Niveau, sondern insbesondere auf Veränderungsraten der Konjunktur. Demnach müsste man sich für 2019 warm anziehen.

Rezession könnte vor der Tür stehen

Bislang redet in Deutschland auch noch kaum jemand von einer Rezession, allerdings könnte diese relativ schnell vor der Tür stehen, wenn die nächsten BIP-Zahlen für das vierte Quartal wieder ein rückläufiges Wachstum spiegeln. Erstaunlicherweise ist es immer wieder zu beobachten, dass sich Entwicklungen gegenseitig verstärken. Das wirkt im positiven wie im negativen Sinne.

Den positiven Kreislauf konnten wir in den vergangenen Jahren verfolgen. Steigende Aktienkurse, bessere Konjunktur und geringe Arbeitslosigkeit sorgten für verbesserte Stimmung bei den Einkaufsmanagerindizes und den Verbrauchervertrauensumfragen.

Das ließ die Kurse weiter steigen, verbesserte die Konjunktur und schuf noch mehr Arbeitsplätze. An der Börse galt bei technischen Rücksetzern: „Buy the dip“ – also Rückschläge zum Kauf nutzen.

Diese Konstellation scheint gebrochen zu sein. Erstmals seit Jahren erholt sich der Markt nicht mehr sofort nach Rückgängen, auch wenn die Indikatoren grünes Licht geben. Das lässt aufhorchen. Nahezu alle Börsen weltweit notieren inzwischen unter ihren 200-Tagelinien und haben die Aufwärtstrends gebrochen.

Selbst die Zugpferde der US-Börse, die sogenannten FANG-Aktien zu denen auch Apple gehört, sind gehörig unter die Räder gekommen. Bei 20 Prozent Kursverlust vom Hoch redet man im Börsenjargon von einer Baisse.

Es gibt Licht am Ende des Tunnels

Vorsichtige Anleger sollten in Erwägung ziehen, dass der oben genannte Kreislauf auch nach unten wirken kann. Es gibt allerdings auch Licht am Ende des Tunnels.

Die Spirale ließe sich auflösen, wenn zumindest zwei der überlagernden Belastungsfaktoren geklärt würden: Als erstes ist hier der Handelsstreit zwischen China und den USA zu nennen.

Der Markt würde gute Nachrichten mit höchster Wahrscheinlichkeit mit Kursanstiegen honorieren. Insbesondere auch deutsche Aktien würden profitieren.

Als zweites gibt es die Chance, dass die US- Notenbank sich entspannter äußert und signalisiert, dass sie ihren Zinserhöhungs-Kurs überdenkt, denn auch sie dürfte die jüngsten Ereignisse mit Sorge beobachten. Schließlich möchte sie in der Rückschau sicher nicht dafür verantwortlich sein, den Konjunkturzyklus abgewürgt zu haben.

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