Ärzte Zeitung, 09.02.2009

Bankberater erfüllen Ansprüche nicht

Freiberufler wie Ärzte, aber auch andere Unternehmer erwarten in Finanzfragen spezifische Dienstleistungen - das zeigt eine repräsentative Studie der European Business School of Finance. Sie belegt aber auch, dass die Banken den Anforderungen meistens nicht gerecht werden.

Von Jürgen Lutz

Die Zeiten sind wild: Die globale Finanzkrise vernichtet Vermögen in Billionen-Höhe; die westlichen Volkswirtschaften und etliche Schwellenländer schlittern in eine tiefe Rezession - all das ist nicht dazu angetan, das Vertrauen in die Zukunft zu stärken. Doch gerade in solch unsicheren Zeiten ist es für Selbstständige wie freiberuflich tätige Ärzte wichtig, sich den Herausforderungen mit einer vernünftigen Finanzstrategie zu stellen.

Gefragt sind Dienstleistungen aus einer Hand

Freiberufler und Unternehmer sind noch mehr als Privatpersonen auf kompetente und vertrauenswürdige Beratung angewiesen, da sie sich auch um die Finanzierung und die Einlagen in ihrer Praxis, Kanzlei oder Firma kümmern müssen. Viele möchten daher gern Finanzdienstleistungen aus einer Hand bekommen. Doch in dieser Hinsicht herrscht Fehlanzeige, wie Studienleiter Professor Rolf Tilmes herausgefunden hat.

Tilmes und sein Team vom Private Finance Institute (PFI) der European Business School in Oestrich-Winkel haben fast 350 Unternehmer befragt. Etwa 55 Prozent von ihnen verfügten über ein jährliches Haushalts-Bruttoeinkommen von bis zu 250 000 Euro; 30 Prozent erzielten bis zu einer Million Euro; der Rest lag über dieser Grenze. Modernes Banking sollte den befragten Unternehmern zufolge nicht auf die Verwaltung ihres privaten Vermögens beschränkt sein. Vielmehr sind ihnen individuelle Lösungen für das Vermögen und die Finanzierung ihrer Unternehmen sehr wichtig. Bedeutsam erschienen die steuerliche Optimierung des Vermögens, die Finanzierungsberatung, Hilfen bei der betrieblichen Altersvorsorge sowie die Planung der Vermögensnachfolge.

Die Studie, eine der ersten zu diesem Thema überhaupt, brachte jedoch an den Tag, dass Banken diesem Anspruch kaum gerecht werden. So nutzen 70 Prozent der Befragten unterschiedliche Anbieter für Finanzdienstleistungen im privaten und im unternehmerischen Bereich. Gefragt ist auch der Rat externer Experten, mit denen die meisten Institute kaum aufwarten können. So zogen bei Erbschaftsfragen 63 Prozent der Befragten externe Anbieter zu Rate; bei Nachfolgefragen waren es immerhin 46 Prozent. Selbst die steuerliche Optimierung vertrauen 44 Prozent der Unternehmer lieber Fachleuten außerhalb der Banken an; bei der betrieblichen Altersvorsorge waren es 42 Prozent.

Für Tilmes ist klar: "Die Banken haben es versäumt, umfassende Dienstleistungen speziell für Unternehmer zu entwickeln, die zu deren privaten Vermögensfragen ebenso passen wie zu den unternehmerischen Finanzierungsbelangen."

Produktneutralität ist Selbstständigen sehr wichtig

Gleichwohl sieht er "erheblichen Bedarf" an ganzheitlichen Lösungen. So stünden 46 Prozent einem Kombi-Angebot von privaten und unternehmerischen Finanzdienstleistungen aus einer Hand aufgeschlossen gegenüber. Besonderen Wert legen Unternehmer demnach auf Produktneutralität und Fachkompetenz des Beraters. Wichtig sind ihnen auch eine hohe Qualität der Betreuung und die beständige Präsenz des Anbieters - Kriterien, die etwa bankenunabhängige Vermögensverwalter gut erfüllen können.

Nach Ansicht von Michaela Gajewski von der Vermögensverwaltung Stuttgart können sie die Konstruktion und die Gebühren von Produkten kontrollieren, welche die Bank empfiehlt. Zudem könnten Vermögensverwalter auf Wunsch des Unternehmers Anlageentscheidungen treffen, welche die Bank dann umsetzt.

Doch sollte das Freiberuflern und Unternehmern den "Luxus einer Zweitmeinung" wert sein? Drei Gründe sprechen dafür. Erstens agiert der Vermögensverwalter ohne eigene Interessen. Schließlich bekommt er für seine Tätigkeit ein Honorar, unabhängig vom Umsatz, den er mit Produkten macht. Zweitens handelt es sich bei den Vermögen von Ärzten nicht unbedingt um "Peanuts". Und drittens können Unternehmer ihrem Banker, wenn nötig, mit dem nötigen Know how im Rücken auch mal auf den Zahn fühlen. Der jährliche Preis für die neutrale Beratung? "Unter einem Prozent des betreuten Vermögens", sagt Gajewski.

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