Ärzte Zeitung, 19.10.2009

Anlagen-Kolumne

Altersvorsorge mit guter Rendite fußt auf einem ausgewogenen Depot

Von Gottfried Urban

Die Finanzkrise macht die Entscheidung schwer, wie viel Geld als Cash oder Sachwertanlage investiert werden soll. Der richtige Mix ist die Basis für die Altersvorsorge.

Die Finanzkrise hat den meisten Anlegern jegliche Risikofreude verdorben. Sie parken ihr Geld derzeit lieber auf mickrig verzinsten Tages- und Festgeldkonten. Das Kalkül ist nachvollziehbar: Schließlich gilt Cash im Vertrauen auf die Einlagensicherung beziehungsweise Staatsgarantien als die zweifellos sicherste Anlage. Doch das geringere Risiko hat einen hohen Preis. Angesichts historisch niedriger Zinsen und vermutlich bald wieder ansteigender Inflationsraten verspielen die Anleger ohne Not die Chance auf eine auskömmliche Altersvorsorge.

Dabei ist die Frage, wie viel Cash und Zinsanlagen in den unterschiedlichen Lebensphasen und bei verschiedenen Markt- und Wirtschaftslagen gehalten werden soll ebenso komplex zu beantworten, wie jene über die Höhe der Sachwertanlagen beziehungsweise Aktien. Mein Rat: Beim Thema Cash sollten Anleger handeln wie ein Unternehmer und den kurz-, mittel- und langfristigen Bedarf an Liquidität ermitteln.

Ein einfacher Einnahmen-Ausgaben-Plan verschafft Klarheit über die eigenen Finanzen: Was muss an laufenden Ausgaben für das tägliche Leben finanziert werden. Welche größeren Anschaffungen stehen ins Haus? Was übrig bleibt, kann in die Vermögensbildung fließen. Wer fürs Alter vorsorgen will, sollte dabei wenigstens zehn Prozent des Nettoeinkommens anlegen. Die einfachste und beste Möglichkeit, Vermögen aufzubauen, ist frühes und regelmäßiges Sparen. Der Zinseszinseffekt wirkt dabei über die Jahre als echter Renditehebel.

Und da sind wir wieder beim Thema: Sicherheitsorientierung führt in der aktuellen Niedrigzinsphase mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem nur geringen Realvermögen in der Zukunft. Aktuell liegt der Zins bei etwa einem Prozent nach Steuern. Trotzdem haben deutsche Anleger die Rekordsumme von fast 3000 Milliarden Euro auf Tagesgeld, Festgeld und Spareinlagen geparkt. Weil die Notenbanken rund um den Globus die Wirtschaft mit billigem Geld geflutet und die Regierungen milliardenschwere Rettungsprogramme in die Wirtschaft gepumpt haben, dürften wir schon in zwei bis drei Jahren wieder steigende Inflationsraten sehen.

Oft können Cash-Anlagen die Inflation nicht mehr ausgleichen. In den USA konnten Geldmarktanlagen schon häufiger nicht mit der Inflation Schritt halten. Besonders gefährlich sind zweijährige oder länger laufende Festzinsanlagen. Vermeintlich sichere Geldanlagen sind bei erhöhter Inflation mit realem Kapitalverlust gleichzusetzen und für die Altersvorsorge ungeeignet.

Tages- und Festgeld sollte lediglich für folgende Aktionen dienen: Absehbare Investitionen, unvorhergesehene Ausgaben, Ausgleich von Ausgabenschwankungen sowie das subjektive Wohlbefinden. Häufig gibt es demgegenüber eine Anlagelösung, die für die maximale Vermehrung des Vermögens optimal wäre. Diese muss jedoch gegen den individuellen Sicherheitsbedarf abgewogen werden. Ein ausgewogenes Depot mit einer überwiegenden Sachwertstrategie mit Aktien, Immobilien, Gold und anderen realen Vermögenswerten wird für die Altersvorsorge eine ansehnliche Rendite erzielen können.

Bevorzugen Sie offene Investmentfonds der genannten Vermögenswerte und meiden Sie nicht regulierte Beteiligungsprodukte und komplizierte Anlagezertifikate.

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