Ärzte Zeitung, 14.12.2009

Grundstücksspekulation mit Rendite und gutem Gewissen

Von Richard Haimann

Eine neue Generation von Waldfonds verspricht Anlegern hohe Renditen mit Aufforstungen im Regenwald oder mit Grundstücken in Rumänien - doch die Risiken sind erheblich.

In ökologischen Unternehmerkreisen ist Leo Pröstler eine Größe: 1987 gründete er erfolgreich den Versandhandel Waschbär, spezialisiert auf Wäsche aus Naturtextilien, tierversuchsfreie Kosmetik und Möbel aus Plantagenholz. Jetzt will er wieder zeigen, dass sich mit gutem Gewissen einträgliche Renditen erzielen lassen - mit nachhaltiger Forstwirtschaft in Costa Rica.

Fast 7,8 Millionen Euro hat Pröstler für seinen ersten Bauminvest-Fonds eingesammelt, will damit Weideland im zentralamerikanischen Staat mit einheimischen Baumsorten und Teakholz aufforsten. Durch den sukzessiven Abverkauf von Holz und der Veräußerung der Grundstücke sollen die Anleger nach voraussichtlich 20 Jahren insgesamt 332 Prozent ihres investierten Kapitals zurückerhalten.

Jetzt zieht Pröstler bereits den zweiten, acht Millionen Euro schwerer Fonds nach: "Nachhaltig orientierte Investmentvehikel sind bei verantwortungsbewussten Anlegern gefragt." Denn Holz ist nicht nur ein begehrter Rohstoff, mit dem sich Heizen, Häuser und Möbel bauen und Papier herstellen lässt. Bäume schützen auch das Klima, indem sie Kohlendioxid in Sauerstoff wandeln.

Darum setzt auch der Hamburger Initiator Aquila Capital bei seinem dritten Waldfonds auf die Kombination von Ökonomie und Ökologie. Insgesamt 15 Millionen Euro will das Emissionshaus einsammeln, um Brachland und Regenwaldflächen in Brasilien nachhaltig forstwirtschaftlich zu nutzen. Über die gesamte Laufzeit von 15 Jahre hinweg sollen die Aquila-Anleger insgesamt 315 Prozent ihres investierten Kapitals vor Steuern zurückerhalten - und sich zugleich eines guten Gewissens erfreuen: "Durch die wirtschaftliche Nutzung wird der Wald vor illegaler Rodung geschützt und bleibt dauerhaft erhalten", sagt Aquila-Sprecherin Martina Rühmann.

Mit den neuen Öko-Forstfonds treten die Initiatoren in Konkurrenz zu Anbietern traditioneller, rein Rendite orientierter Waldfonds. Der Initiator Nordcapital hat gerade einen neuen 30 Millionen Euro schweren Fonds aufgelegt, um Waldgrundstücke in Rumänien zu erwerben. Der Gesamtmittelrückfluss während der Laufzeit von zwölf Jahren könnte bis zu 250 Prozent des investierten Kapitals nach Steuern betragen, so Geschäftsführer Florian Maack.

Das vor allem für geschlossene US-Immobilienfonds bekannte Emissionshaus Jamestown hat für seinen aktuellen Timber-Fonds bislang 27 Millionen US-Dollar (18 Millionen Euro) eingesammelt, um Forsten in South Carolina zu erwerben. Wenn der Fonds nach 15 Jahren aufgelöst wird, sollen Anleger voraussichtlich 220 Prozent des eingesetzten Eigenkapitals zurückerhalten.Die Mindestbeteiligungssumme bei den Waldfonds liegt in der Regel bei 10 000 Euro plus fünf Prozent
Agio. Wie bei allen geschlossenen Fonds gehen Anleger eine unternehmerische Beteiligung ein und können daher im schlimmsten Fall ihr gesamtes eingesetztes Kapital verlieren. Gefahren lauern an vielen Stellen: "Extreme Witterungseinflüsse wie Wirbelstürme oder Überschwemmungen oder erheblicher Schädlingsbefall" oder Waldbrände könnten die Waldflächen vernichten, heißt es klipp und klar im Emissionsprospekt des Bauminvest-Fonds.

Zudem schwanken die Holzpreise stark, so dass sich eine Ernte nicht jedes Jahr lohnt. Darüber hinaus können bei Aufforstungsprojekten erst nach etlichen Jahren die ersten Bäume geschlagen werden, sagt Beatrix Boutonnet vom Branchendienst Fondstelegramm.de. "Anleger müssen bedenken, dass sie möglicherweise über Jahre keine Ausschüttungen erhalten - und sie am Ende vielleicht sogar Verluste einfahren werden."

Waldfondsinitiatoren im Internet:

www.aquila-waldinvest.de

www.bauminvest.de

www.jamestown.dewww.nordcapital.de

[15.12.2009, 12:38:38]
Dr. Steffen Witzke 
Forstinvestments sehr rentabel und wertstabil
Angesichts der sicherlich langfristigen Probleme von Schiffs- oder Immobilienfonds dürfte jedem Anleger bewusst sein, das alle Investments Risiken haben.
Feuer, Wirbelstürme, Schädlingsbefall oder Überschwemmungen haben jedoch für Forstinvestments statistisch gesehen keine nennenswerte Relevanz.
Grössere Holzpreisschwankungen traten zudem bislang nur bei Bauholz oder Holz für die Zellstoffproduktion auf. Die Preise für Edelholz hingegen sind äusserst wertstabil. Der Waldinvestmentindex NCREIF timberland property verzeichnete entsprechend in knapp 30 Jahren nur ein einziges Jahr mit leicht negativer Rendite, bei jedoch über 14 Prozent jährlicher Durchschnittsrendite.
Relativ hohe Renditen bei geringen Wertschankungen sind das wichtigste Kennzeichen von Forstinvestments.

Die unabhängige Zeitschrift FINANZTEST berichtete unlängst über diese Investmentform. Die dort besprochenen Nordcapital- und Bauminvest-Waldfonds wurden ebenso gut bewertet, wie auch über die beiden deutschen Direktinvestmentanbieter Miller Investments und Forest Finance. Letztere ist der einzige Anbieter mit FSC-Zertifizierung für nachhaltige und soziale verträgliche Forstwirtschaft. Das sichert zudem einen höheren Endverkaufspreis.

Vor Fondsschliessung betrug bei Nordcapital das Mindestinvestment (inkl. Agio) 10.500 Euro, bei BaumInvest 5.700 Euro. Bei den Direktinvestment-Anbietern Miller Investment kann man ab 1.500 Euro und bei Forest Finance ab 30 Euro monatlich beim Baumsparvertrag einsteigen.
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