Ärzte Zeitung, 13.12.2010

Anlagen-Kolumne

Aktien in Schwellenländern profitieren von US-Inflation

Wertpapiere bleiben für Anleger auch im kommenden Jahr der Renner. Allerdings lohnt sich ein Aktieninvestment immer mehr vor allem in den Schwellenländern.

Von Gottfried Urban

Dass die Aktienmärkte weiter steigen, sollte kein Zufall sein. Es besteht eine ursächliche Verbindung zwischen Notenpresse, Inflation von Waren und Dienstleistungen und der Kursinflation an den Börsen. Inflation gibt es also auch an den Finanzmärkten. Denn eine Finanzmarktblase entspricht der Inflation der jeweiligen Anlagenkurse.

Wenn es keine Inflation bei Waren und Dienstleistungen gibt, gibt es sie bei den Börsenkursen. Das muss nicht im Land der Geldschöpfung sein. Da Volkswirtschaften weitgehend offen sind, fließt geschöpftes Geld in das Land ab, das die besten Bedingungen vermuten lässt.

Die Schwellenländer scheinen wie geschaffen zu deren Aufnahme, und die rohstoffproduzierenden Länder stehen ihnen in nichts nach. Die Aktien, Währungen und Zinspapiere dieser Länder versprechen Anlegern eine bessere Rendite.

Sind doch neben gesunden Staatshaushalten auch noch die Wirtschaftszahlen besser. So erreicht 2010 der Zustrom von Anlagegeldern in Schwellenländer ein Allzeithoch, unter anderem eine Folge der Geldschöpfung in den USA.

Durch die Kapitalflucht aus dem US-Dollar sind nach Kaufkraftparität viele Währungen gegenüber dem Greenback überbewertet, der kanadische Dollar um gut 20 Prozent, der brasilianische Real und die indonesische Rupie um mehr als einem Drittel.

Regierungen dieser Länder können eine unkontrollierte und unerwünschte Festigung ihrer Währungen nicht akzeptieren. Es geht um die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Wirtschaft und ihrer Unternehmen an ausländischen Märkten.

Erste Länder wie Brasilien intervenieren mit Steuern auf den Kauf des Reals durch Ausländer. China hingegen betreibt durch die Bindung des Renmimbi an den US-Dollar ein für sämtliche Schwellenländer schädliches Währungsdumping.

2011 wird durch die Folgen der in mehreren Ländern in Gang gebrachten Geldschöpfung stark beeinflusst sein. Diese Geldschöpfung kann eben eine Quelle für Konjunkturüberhitzungen und Inflation bei den Börsenkursen der Schwellenländer und Rohstoffmärkte sein.

Eine Übertreibung an den Börsen geht regelmäßig mit deutlichen Überbewertungen einher - davon ist aber noch nichts zu bemerken. Schwellenländer der zweiten Reihe sollten die Nase vorn haben. Sie sind oftmals analytisch nur halb so teuer.

Für 2011 bleiben Aktienmärkte die attraktivste Anlageform. In Zeiten niedriger Zinsen, Liquidität und einem hohen Misstrauen kann es keine größeren Marktkorrekturen geben. Bei den Schwellenmärkten werden sich wohl die Märkte der zweiten Reihe gut entwickeln.

Zur Person: Gottfried Urban ist Fondsmanager der Neue Vermögen AG. Bereits mehrfach ist er für seine Leistungen in der Vermögensverwaltung ausgezeichnet worden.

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