Ärzte Zeitung, 10.12.2012

Anlagen-Kolumne

Draghis Worte erfordern neue Anlagestrategie

Draghis Worte erfordern neue Anlagestrategie

Gottfried Urban

Mit seinem Bekenntnis, die EZB werde alles tun, um den Euro zu erhalten, hat EZB-Chef Mario Draghi wahrscheinlich den Wendepunkt der Euro-Krise markiert. Damit stabilisierte Draghi die Märkte und sorgte für eine europäische Aktienrallye sowie stabile Anleihemärkte im südlichen Europa. Seine Botschaft wird wohl weiter wirken.

Nicht nur die europäische Notenbank wird über Jahre die Zinsen unterhalb der Inflationsrate halten. Das treibt Investoren scharenweise in die Verzweiflung. Geforderte Jahreszielrenditen von drei bis fünf Prozent sind ohne Risiko nicht mehr zu erzielen. Nahezu alle traditionellen Anlageklassen, die in den vergangenen Jahren für solche Zwecke angezapft wurden, sind inzwischen ausgepresst wie Zitronen.

Zwei Anlagemärkte dürften dies im positiven Sinne zu spüren bekommen: das Segment der Unternehmensanleihen der zweiten Reihe sowie die Aktienmärkte. Nicht das Gewinnwachstum auf breiter Front, sondern eine neue Risikobewertung verleiht ihnen Potenzial. Korrekturen der Gewinnschätzungen auf Unternehmensebene sind in diesem Kontext verschmerzbar. Mit Dividenden von drei bis fünf Prozent können Anleger dennoch rechnen. Da das Gros der Dividenden im ersten Halbjahr gezahlt wird, dürften bereits zu Jahresanfang die Claims von den Anlegern abgesteckt werden.

Für 2013 empfehle ich eine Aufstockung des Anteils an werthaltigen Investments. Dazu gehören Aktien aus verschiedenen Regionen und Branchen. Stärkere Rückschläge - und damit Kaufgelegenheiten - wird es auch 2013 geben. Ins Portfolio gehören zudem eurogesicherte Unternehmensanleihen aus Schwellenländern, eine kleine Dosis Gold sowie ein ebenfalls kleines Päckchen an Fremdwährungen. Vor Rohstoffen sollten Anleger auf der Hut sein. Das Reservegeld sollte am Geldmarkt geparkt werden. Längerfristige Anlagen gehören dort aber nicht mehr hin.

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