Ärzte Zeitung online, 12.02.2014
 

Studie

Deutschen Steuerzahlern geht es gar nicht so schlecht

Im internationalen Vergleich ist die Einkommensteuererklärung hierzulande weniger komplex als gedacht. Deutschland bewegt sich laut einer aktuellen Studie im Mittelfeld und bietet Steuerzahlern sogar einige Vorteile, die sonst nur wenige Länder in ähnlicher Form ermöglichen.

Von Rebekka Höhl

NEU-ISENBURG. Bürokratieparadies Deutschland - diese Aussage soll ausgerechnet für das deutsche Steuersystem nicht zutreffen. Denn der deutsche Fiskus zeigt sich nach einer Studie des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens Deloitte bei der Gestaltung der Einkommensteuererklärung gegenüber dem steuerpflichtigen Bürger recht wohlgesonnen.

Dies zumindest im Vergleich zu anderen Ländern: Da bewegen sich deutsche Regelungen und Praktiken in vielen Aspekten im internationalen Mittelfeld.

In der "Comparative Study of the personal Income Tax Return Process" hat Deloitte die Steuerpraktiken in 34 Ländern miteinander verglichen. Positiv gewertet wurde dabei etwa, dass Deutschland mit ELSTER seit einigen Jahren die Möglichkeit bietet, die Steuererklärung auch elektronisch abzugeben. Dabei können die Steuerpflichtigen aber wählen - das heißt, die Papierform ist ebenfalls möglich.

Das entspricht laut Studie der Praxis in 80 Prozent der untersuchten Länder. Allerdings sende über die Hälfte dieser Länder, anders als Deutschland, vorab das Formular für die Steuererklärung per Post an den Steuerpflichtigen, der zur Papierform tendiere.

In 18 Prozent der untersuchten Länder, unter ihnen Österreich, die Niederlande und die USA, kann die Steuererklärung ausschließlich in elektronischer Form abgegeben werden.

Pluspunkt für die gemeinschaftliche Veranlagung von Ehepartnern

Ein klarer Vorteil des deutschen Systems: Ehepaare und mittlerweile auch eingetragene Lebenspartnerschaften können zusammen veranlagt werden. Das ist sonst nur in weiteren 17 Prozent der untersuchten Länder möglich.

Auch dass persönliche Umstände des Steuerpflichtigen berücksichtigt werden, ist keine Selbstverständlichkeit, wie die Studie zeigt. Während in Deutschland Kinderfreibeträge, Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen die Steuerlast senken können, ist ein ähnliches System gerade einmal in 60 Prozent aller untersuchten Länder vorhanden.

Immerhin können die persönlichen Umstände in weiteren 32 Prozent der Länder zumindest teilweise angesetzt werden. tiv werten die Studienautoren auch, dass deutsche Steuerpflichtige Kapitaleinkünfte, die der Abgeltungssteuer unterliegen, nicht mehr angeben müssen.

Die Mehrheit der Länder - nämlich 62 Prozent - verlange dies noch, weitere 35 Prozent sähen dies zumindest für einen Teil der Kapitaleinkünfte vor.

Von der Steuererklärung, die auf einen Bierdeckel passt, ist die Bundesrepublik dennoch weit entfernt, so das Urteil der Studienautoren. Insgesamt 101 bis 300 Felder müssten Steuerpflichtige hierzulande in einer Steuererklärung ausfüllen. Damit befinde sich Deutschland in Gesellschaft mit Dänemark und etwa Großbritannien im oberen Bereich.

In der Hälfte der Länder müssten weniger als 100 Felder ausgefüllt werden, in China seien es gar nur 20. Aber es geht auch noch bürokratischer: In der Schweiz sind es über 500 Felder.

Vorausgefüllte Steuererklärung noch Zukunftsmusik

In Sachen Komplexität sieht die Studie die deutsche Steuererklärung zweigeteilt: Durchschnittlich zwei bis fünf Stunden würden die Steuerpflichtigen sich mit ihrer Erklärung herumschlagen. Das sei in insgesamt 35 Prozent der untersuchten Länder genauso.

In über der Hälfte der Länder würde das Ausfüllen der Steuererklärung hingegen weniger als zwei Stunden dauern.

Dennoch gehöre Deutschland zu den 68 Prozent der Länder, in denen der Schwierigkeitsgrad der Steuererklärung als nicht zu hoch eingestuft werde und mehrheitlich keine Unterstützung durch einen Steuerberater in Anspruch genommen werde.

Tatsächlich hinterher hinkt die Bundesrepublik aber in Sachen vorausgefüllte Steuererklärung, wie sie die Große Koalition für den Veranlagungsreitraum 2017 vorsieht. Über 50 Prozent der untersuchten Länder bieten eine solche vorausgefüllte Steuererklärung nämlich schon an.

Das gehe in einigen Ländern sogar über den in Deutschland geplanten Umfang - es sollen die persönlichen Daten, Daten von Arbeitgebern, Banken und Versicherern bereits erfasst werden - hinaus. Dort würden auch Werbungskosten und andere Sonderausgaben sowie weitere Einkünfte (z. B. Mieteinkünfte) vorab in die Steuererklärung übernommen.

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