Ärzte Zeitung online, 09.03.2017
 

Honorarabschluss in Baden-Württemberg

82 Millionen Euro plus im Südwesten

Die budgetierte Gesamtvergütung in Baden-Württemberg steigt 2017 um drei Prozent. Für KV-Chef Metke ist das "akzeptabel".

Von Florian Staeck

STUTTGART. KV und Kassen in Baden-Württemberg haben sich auf einen Honorarabschluss für 2017 geeinigt. Die morbiditätsorientierte Gesamtvergütung (MGV) steigt um 82 Millionen Euro, berichtete KV-Chef Dr. Norbert Metke am Mittwoch bei der Vertreterversammlung in Stuttgart. Das entspricht einem Zuwachs von drei Prozent. Metke bezeichnete dies als "akzeptables Ergebnis". Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr war die MGV um 3,6 Prozent und rund 100 Millionen Euro gestiegen.

Die Honorarverhandlungen waren später als in anderen Regionen gestartet worden, weil die Kassen erst die Neuwahl des KV-Vorstands abwarten wollten. Anfang Dezember 2016 waren Metke und sein Stellvertreter Dr. Johannes Fechner im Amt bestätigt worden.

Einzelne Honorarkomponenten waren bereits durch die Bundesebene vorgegeben, so etwa die Erhöhung des Orientierungswerts (OW) um 0,9 Prozent. Dies allein macht 34,1 der 82 Millionen Euro aus. Der OW, also der Preis für einen Punkt im EBM, beträgt im laufenden Jahr 10,530 Cent. Regional ausgehandelt worden ist die Veränderungsrate für die Morbidität und die Demografie. Die Anpassung um 0,3964 Prozent entspricht einem Plus von elf Millionen Euro.

Als Erfolg verbucht Metke, dass alle extrabudgetären Leistungen außerhalb der MGV fortgesetzt werden. Vereinbart wurde auch ein Fördertopf mit einem Volumen von 24,6 Millionen Euro. Darin enthalten sind – wie bisher – der hausärztlich-geriatrische Förderkomplex (5,15 Millionen Euro), die praxisklinische Beobachtung und Betreuung (5,13 Millionen Euro) sowie Heimbesuche mit 5,0 Millionen Euro. Aufgestockt um 1,15 Millionen Euro wurde die Förderung psychiatrischer Gesprächsleistungen. Hierfür stellen die Kassen nun insgesamt drei Millionen Euro zur Verfügung.

Neu aufgenommen in das Förderpaket wurden unter anderem die Radiologie bei Onko-Patienten (1,42 Millionen Euro), die erweiterte Beratung von Schwangeren sowie die Schulung auf Gestationsdiabetes (720.000 Euro). 800.000 Euro sind für orthopädische Vorsorgeuntersuchungen im 11. und 12. Lebensjahr vorgesehen, 480.000 Euro für die Behandlung von Patienten mit diabetischem Fuß.

Bei der Onkologie-Vereinbarung werden einzelne Kostenpauschalen angehoben, so dass die Kassen dort 1,2 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung stellen. Wichtige extrabudgetäre Leistungen wie etwa das ambulante Operieren (Kapitel 31 EBM), belegärztliche Leistungen sowie die postoperative Betreuung nach Eingriffen bleiben erhalten. Dauerhaft zusätzlich unterstützen die Kassen den Notfalldienst mit zwölf Millionen Euro.

Die Gesamtvergütung der 21.800 Vertragsärzte und Psychotherapeuten im Südwesten hat sich im Vorjahr auf 4,8 Milliarden Euro addiert. 1,5 Milliarden Euro entfielen dabei auf Leistungen außerhalb der MGV.

Mit einer Gegenstimme nahmen die VV-Delegierten einen Vorstandsantrag an, der als Modellprojekt die Etablierung eines medizinischen Callcenters durch die KV vorsieht. Es soll Patientenanfragen bündeln und an Vertragsärzte weiterleiten. In Regionen sollen Netze aus haus- und fachärztlichen Praxen gebildet werden, die während der Sprechzeiten als "dezentrale Portalpraxen" dienen sollen.

Hintergrund dafür ist die steigende Patientenzahl in Krankenhausambulanzen, die ohne Notfallindikation aufgesucht werden. Außerdem geplant ist die Gründung von maximal fünf Portalpraxen in Kooperation mit Krankenhausambulanzen.

12

Millionen

Euro zahlen die Krankenkassen in Baden-Württemberg zur Unterstützung des Notfalldienstes.

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