Ärzte Zeitung, 27.06.2017
 

Penny Stocks

So machen Betrüger Geld mit heißer Luft

Kleiner Geldeinsatz, große Gewinne: Das versprechen manche Anbieter von Billigaktien. Oft steckt dahinter eine Falle, in die unerfahrene Anleger tappen sollen. Nach dem Platzen einer Mini-Blase bleiben ihnen häufig nur wertlose Aktien.

Von Jürgen Lutz

So machen Betrüger Geld mit heißer Luft

Betrüger nutzen Billigaktien unter einem Euro und bauen damit Blasen an der Börse.

© Aamon / Fotolia

NEU-ISENBURG. Sie heißen Southern Lithium Corp, StartMonday Technology oder InFin Innovative Finance: Immer öfter versuchen Betrüger, gutgläubige Anleger zum Kauf solcher extrem billigen Aktien zu motivieren – per Mail, Fax oder durch unerlaubte Anrufe. Beißen die Käufer an, machen die Manipulateure Kasse, indem sie die vorher gekauften Ramsch-Aktien auf den Markt werfen. Dann brechen die Kurse ein, die ahnungslosen Anleger sind angeschmiert. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) warnt jetzt wieder ausdrücklich vor solchen Marktmanipulationen.

Wer sich schon einmal für Geldanlage interessiert hat, die über Sparbuch & Co hinausgeht, dürfte das kennen: Per Fax oder Mail trudeln ungefragt Nachrichten ein, die Anlegern das Blaue vom Himmel versprechen. 500 Prozent oder mehr in kurzer Zeit sollen drin sein, wenn man jetzt nur möglichst schnell die Aktie X oder Y kauft. Grund: Das meist unbekannten Unternehmen, oft aus dem Bergbau-Bereich im fernen Ausland, stehne angeblich vor der Erschließung eines riesigen Vorkommens oder vor einem anderen geschäftlichen Durchbruch.

Manipulation mit Börsenbriefen

"Was sich so verlockend wie unrealistisch anhört, ist eine Betrugsmasche, die leider immer wieder verfängt", sagt Kathrin Eichler von Eichler & Mehlert Finanzdienstleistungen GmbH in Düsseldorf. In der Tat warnt die BaFin regelmäßig vor Marktmanipulationen durch Börsenbriefe, die mittels E-Mail vertrieben werden – im Februar ging es um das Unternehmen StartMonday Technology, im Mai um Southern Lithium Corp. "Bei den Aktien, die unter einem Euro notieren, waren zuvor starke Kursausschläge nach oben und dann nach unten zu beobachten – ein mögliches Indiz für Manipulation", so Eichler.

Das Schema ähnelt sich jedes Mal: Die Betrüger "empfehlen" Billigaktien unter einem Euro (Penny Stocks), die sonst kaum gehandelt werden und die sie vorher zuhauf eingekauft haben, über Börsenbriefe, unerlaubte Anrufe (cold calls), Spam-Mails oder via Fax. "Auf diese Weise sollen gutgläubige Anleger zum Kauf verleitet werden, den Kurs hochtreiben und den Betrügern zu satten Gewinnen verhelfen", erklärt Burkhard Wagner von der Partners VermögensManagement AG in München. Wenn die Betrüger Kasse machen und die Mini-Blase platzt, bleiben die Geschädigten mit saftigen Verlusten auf wertlosen Aktien sitzen, so der Vermögensverwalter.

Dass die Betrüger illiquide Aktien im Cent-Bereich aussuchen, hat Methode. Die Kurse dieser Aktien können sie ohne großen finanziellen Aufwand manipulieren und so auf Kosten anderer hohe Renditen erzielen. Zudem, so wissen Psychologen, kaufen unerfahrene Anleger lieber 100 Aktien für einen Euro als eine einzelne Aktie zu 100 Euro. "So haben sie das letztlich trügerische Gefühl, ein Schnäppchen gemacht zu haben", weiß Kathrin Eichler. Dabei gibt es einfache Mittel, mit denen Privatanleger erkennen, ob man sie über den Tisch ziehen will. Zu den gängigsten Abzockmethoden gehören cold calls und Spam-Mails, mit denen Aktien gepusht werden sollen, sowie Faxe mit vermeintlichen Insidertipps. Hier sollten Anleger sofort den Hörer auflegen oder die Mail löschen. Zu "besonderer Vorsicht" rät die BaFin zudem bei (Börsenbrief-)Empfehlungen zu illiquiden Wertpapieren, Penny Stocks und Aktien, die im wenig regulierten Freiverkehr gehandelt werden.

Nicht von heute auf morgen

Generell gilt für Anleger: Ein vernünftiger Vermögensaufbau an den Aktienmärkten geht nicht von heute auf morgen, sondern braucht seine Zeit. "Neben einer klaren Vorstellung über die eigenen finanziellen Ziele und Möglichkeiten ist das Wichtigste eine solide Strategie, die zum Risikoprofil des Anlegers passt und die er über Jahre beziehungsweise Jahrzehnte durchhalten kann", erklärt Burkhard Wagner. Dabei können sich Anleger an ihre Bank oder einen unabhängigen Vermögensverwalter wenden, die diese Fragen mit ihnen klären und ein Vermögenskonzept entwickeln und umsetzen.

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