Ärzte Zeitung online, 30.10.2017

Anlage

Börsenampel steht für Anleger immer noch auf Grün

Experten sehen gute Chancen für eine Jahresendrallye an den Aktienmärkten. Aber: Einige Analysten sind skeptisch und warnen vor all zu viel Euphorie.

Von Richard Haimann

Börsenampel steht für Anleger immer noch auf Grün

Freie Fahrt für Anleger? Einige Experten erwarten eine fulminante Jahresendrally.

© Butch / stock.adobe.com

NEU-ISENBURG. Diese alte Börsenweisheit kennt wohl jeder Anleger: "Sell in May and go away – but remember to return in November" – Verkaufe die Aktien im Mai, aber vergiss nicht, im November wieder an die Börse zurückzukehren. "Was sich wie eine simple Bauernregel anhört, ist bei genauerer Betrachtung keineswegs von der Hand zu weisen", betont Stefan Wallrich, Vorstand der Vermögensverwaltung Wallrich Wolf Asset Management in Frankfurt am Main. Verschiedene empirische Untersuchungen zeigten immer wieder, dass die meisten Aktienmärkte in den Sommermonaten Federn lassen, dafür aber in der übrigen Zeit des Jahres überdurchschnittliche Kurszuwächse verzeichnen.

"Die alte Börsenweisheit hat heute noch ihre Berechtigung", berichtet Michael Fuerst, Professor für Finanzwissenschaften der Universität Miami. Fuerst hat in einer umfassenden Studie die durchschnittliche Kursentwicklung an 37 Aktienmärkten in Nordamerika, Europa und Asien Monat für Monat über Jahrzehnte hinweg analysiert. Resultat: "Von November bis April verzeichnen die Börsen im Durchschnitt zehn Prozent höhere Kursentwicklungen als in der Zeit von Mai bis Oktober", so Fuerst.

Profiinvestoren im Urlaub

Das gilt auch für den deutschen Leitindex Dax. "Bei ihm waren seit dem Indexstart am 31. Dezember 1987 die Monate August und September mit einem durchschnittlichen Minus von 2,2 und 2,6 Prozent die mit Abstand schlechtesten Börsenmonate", erklärt Vermögensverwalter Wallrich. "Besonders gut entwickelte sich der Dax hingegen im letzten Quartal eines jeden Jahres mit plus 2,8 Prozent sowie im April mit plus 2,5 Prozent."

Experten vermuten dahinter zwei Ursachen: In den Sommer- und Herbstmonaten sind viele Profiinvestoren im Urlaub. Das sorgt für geringere Nachfrage nach Aktien und lässt deren Kurse sinken. Hingegen versuchen Fondsmanager vor dem Jahreswechsel und im späten Frühling durch Wertpapierkäufe ihre Portfolios aufzupeppen. "Weil viele Profis gegen Jahresende nicht mehr voll investiert sind, reichen schon kleine Aufwärtsbewegungen des Marktes aus, um sie unter Zugzwang zu setzen und zu erneuten Käufen zu animieren", erklärt Wallrich.

Auf den ersten Blick scheint es, als träfe 2017 die Börsenweisheit auf den Dax nur bedingt zu. Zwar verlor der deutsche Leitindex von Juni bis Ende August 5,8 Prozent, hat dafür aber bereits von September bis in den Oktober hinein mehr als acht Prozent zugelegt und erstmals die Marke von 13.000 Zählern genommen. Doch etliche Experten meinen, dass es an den Aktienmärkten noch eine richtige Jahresendrallye geben wird. "Jetzt kommen die guten Börsenmonate", vermutet Marco Herrmann, Geschäftsführer der Fiduka Depotverwaltung in München. Auch aus fundamentalen Gründen: Die Konjunktur wachse weltweit und sorge für steigende Unternehmensgewinne.

Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank, ist vor allem für kontinentaleuropäische Aktien positiv gestimmt. "Das Verbrauchervertrauen in der Eurozone ist auf dem höchsten Stand seit 2001." Das spricht für anziehenden Konsum und dürfte Unternehmen steigende Gewinne und deren Aktionären höhere Dividenden bescheren.

"Solche Euphorie ist typisch"

Allerdings gibt es auch einige warnende Stimmen. "Investoren sind inzwischen zu optimistisch für Aktien", meint Savita Subramanian, Strategin bei Bank of America Merrill Lynch. "Solche Euphorie ist typisch für den Anfang vom Ende eines Bullenmarktes." In den USA sei das "Rezessionsrisiko zuletzt etwas gestiegen", berichtet Max Schott, Geschäftsführer der Stuttgarter Vermögensverwaltung Sand & Schott. Die Leitzinserhöhungen der US-Notenbank hätten Kredite verteuert, Verbraucher hielten sich deshalb zuletzt mit Käufen zurück. Das könnte auch deutsche Exportunternehmen treffen.

Noch allerdings deuteten die Indikatoren nicht auf ein Ende des Wirtschaftswachstums in den Staaten. "Die Ampel am Aktienmarkt", sagt Schott, "steht noch auf Grün."

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