Ärzte Zeitung online, 18.12.2017

Kapitalanlage

Der Bitcoin ist für Anleger ein heißes Eisen

Der Wert der Digitalwährung Bitcoin ist rasant gestiegen und beflügelt weiter Rendite-Fantasien. Doch Experten warnen: Der Hype kann schnell enden.

Von Richard Haimann

Der Bitcoin ist für Anlegerein heißes Eisen

Der Bitcoin ist eine mittels Kryptografie produzierte Digitalwährung im Internet.

© Tsokur / Getty Images / iStock

NEU-ISENBURG. So viel Profit gibt es selten: Wer zu Jahresbeginn 10.000 Euro in Bitcoins investiert hat, konnte seither in der Spitze einen Gewinn von 153.000 Euro erzielen. In nicht einmal zwölf Monaten ist der Kurs der Digitalwährung um atemberaubende 1430 Prozent gestiegen.

Doch Experten warnen davor, auf weitere gigantische Wertsteigerungen zu spekulieren. "Die Preisentwicklung des Bitcoins erinnert an die großen Blasen der Wirtschaftsgeschichte", sagt die Finanzökonomin Isabel Schnabel, eine der fünf deutschen Wirtschaftsweisen. "Der Bitcoin ist ein Betrug", sagt Jamie Dimon, Vorstandschef der US-Investmentbank JPMorgan Chase. "Niemand weiß, was der Bitcoin wirklich wert ist", sagt Uwe Zimmer, Geschäftsführer des Vermögensverwalters Fundamental Capital in Willich. "Anders als bei nationalen Währungen steht kein Staat mit einer funktionierenden Volkswirtschaft dahinter – und ebenso wenig ein Sachwert wie bei Gold."

Der Bitcoin ist eine seit 2009 existierende Kryptowährung. Ein Zahlungsmittel, das mit Hilfe von digitalen Verschlüsselungstechniken, der Kryptografie, auf einer Vielzahl von miteinander über das Internet verbundenen Rechnern in kleinen Stückzahlen produziert wird. Was ihren Kurs zunächst langsam, aber stetig steigen ließ: In der Software ist die maximale Anzahl der Bitcoins auf 21 Millionen festgelegt. Diese Menge wird voraussichtlich 2110 produziert sein. Investoren spekulieren darauf, dass durch diese Verknappung ein Bitcoin im Laufe der Zeit immer wertvoller wird.

Urheber unbekannt

Allerdings weiß niemand, wer an der Herstellung des virtuellen Geldes beteiligt ist. Der Erfinder verbirgt sich hinter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto. Mal wurde dahinter der US-Softwarespezialist Hal Finney, mal der Chef des US-Elektroautomobil-Konzerns Tesla, Elon Musk, vermutet. Die Anonymität soll das virtuelle Geld besonders sicher machen. "Bei der Lagerung hat der Bitcoin auf den ersten Blick die Nase vorn", sagt Jan-Patrick Weuthen, Stratege bei der Anlageberatungsgesellschaft B&K Vermögen in Köln.

Die Digitalwährung kann in elektronischen Portemonnaies, sogenannten E-Wallets, im Internet gelagert werden. "Teure Tresore wie bei der Lagerung von Gold und anderen Edelmetallen entfallen", sagt Weuthen. Allerdings gelang es in den vergangenen Jahren Hackern immer wieder, diese Server zu plündern. Zuletzt wurden Anfang Dezember vom virtuellen Marktplatz Nicehash, wo Euro und US-Dollar in die Digitalwährung und zurück getauscht werden können, Bitcoins im Wert von rund 60 Millionen Euro gestohlen.

Was den Bitcoin-Preis zuletzt rasant in die Höhe trieb: An der Börse in Chicago können Profiinvestoren seit diesem Monat mit Terminkontrakten darauf wetten, ob der Kurs des digitalen Geldes gegenüber dem US-Dollar steigen oder fallen wird. Terminkontrakte stammen aus der Landwirtschaft: Bauern veräußern so im Frühjahr ihre spätere Ernte zu einem Festpreis; Lebensmittelproduzenten wiederum sichern sich so Getreide zu einem fixen Preis vorab. Beide Seiten schützen sich so davor, dass die Preise im Jahresverlauf durch eine schlechte Ernte extrem steigen oder durch zu viel Feldertrag stark sinken.

Handel in EU nicht reguliert

Digitalwährungen sind jedoch kein Rohstoff. "Der Bitcoin ist nur etwas für Spekulanten", sagt deshalb Ewald Nowotny, Gouverneur der Österreichischen Nationalbank und Mitglied im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB). Bislang sei der Handel mit Bitcoins in der Eurozone unreguliert. Dies könnte sich aber ändern, sagt Nowotny.

EZB und EU-Kommission könnten Bitcoins als Zahlungsmittel verbieten oder einen fest Umtauschkurs zum Euro festlegen. China und Russland haben diese Schritte bereits getan. "Kommt es zu weiteren Regulierungen, dürfte der Wert des Bitcoins stark sinken", sagt Stratege Weuthen. Gefahr droht aber auch aus dem Internet: Dort sind inzwischen 32 weitere Kryptowährungen aufgelegt worden. Die wachsende Konkurrenz zeigt: Anders als nationale Währungen hat der Bitcoin kein Alleinstellungsmerkmal, das ihn wertvoll macht.

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