Ärzte Zeitung online, 17.04.2014

DRK-Kliniken in Bremerhaven

Geplanter Verkauf erhitzt die Gemüter

Erst im Herbst 2013 hatte die DRK Stiftung noch das St.-Joseph Hospital in Bremerhaven gekauft. Nun soll dieses zusammen mit zwei anderen Kliniken schon wieder verkauft werden. Das treibt nicht nur die Mitarbeiter um.

BREMERHAVEN. Politiker und Mitarbeiter sind empört: Die DRK Stiftung Wesermünde will ihre zwei Krankenhäuser in Bremerhaven verkaufen. Weil offenbar ein Investor noch größeren Appetit hat, soll nun auch die DRK-Klinik in Debstedt zusammen mit den zwei bisher angebotenen Häusern verkauft werden. Der Verkauf der Debstedter Klinik sei nicht von Anfang an geplant gewesen, hieß es seitens der Stiftung.

Rückblick: Gerade erst hat die Stiftung das verschuldete St.-Joseph Hospital mitten in der Stadt gekauft und mit ihrer Klinik am Bürgerpark zu den "DRK Kliniken Bremerhaven GmbH" unter ein organisatorisches Dach verschmolzen. Das war im Oktober 2013. Nun stehen drei Häuser zum Verkauf.

"Kosten und Erlös sind dramatisch auseinandergedriftet", begründet Landrat und Vorsitzender der Stiftung, Kai Uwe Bielefeld, die Verkaufsabsicht. "Wir hatten für 2016 mindestens eine schwarze Null geplant und nun ist alles anders gekommen." Die Verluste der beiden Bremerhavener Häuser liegen laut Bielefeld bei 4,4 Millionen Euro.

"Da stimmt doch etwas nicht!", protestiert Betriebsrat Sönke Petersen. Petersen vertritt die rund 1000 Mitarbeiter in beiden Häusern in Bremerhaven. Er fürchtet, dass ein privater Krankenhausträger die Kliniken übernimmt.

"Dann werden Mitarbeiter rausgeschmissen oder über Auffanggesellschaften wieder eingestellt, zu geringerem Lohn, versteht sich", so Petersen zur "Ärzte Zeitung".

War der Verkauf von Anfang an geplant?

Mehr noch: Möglicherweise habe die Stiftung von Anfang an nichts anderes geplant, als die beiden Häuser an einen gut zahlenden privaten Betreiber zu verkaufen. "Inzwischen will man auch nicht mehr mit der Stadt reden", empört sich Petersen.

Zwischenzeitlich war auch die Stadt Bremerhaven als Käuferin und Betreiberin der beiden Häuser im Gespräch. Allerdings dürfte der Stadt das Geld fehlen, um die beiden Kliniken zu kaufen und zu renovieren.

Auch der Gesundheitssenator des Landes Bremen, Herrmann Schulte-Sasse (parteilos), äußerte sich gegenüber "Radio Bremen" besorgt über den Verkauf. Weshalb so plötzlich verkauft werden müsse, "das muss die Stiftung als Eigner beantworten. Es stellen sich Fragen."

Unterdessen schlug die AOK Bremen/ Bremerhaven vor, die beiden DRK-Kliniken in Bremerhaven zu schließen. So würde in der Stadt nur noch das kommunale Klinikum Reinkenheide übrig bleiben.

Die Stiftung wies den Vorschlag zurück. Bisher ist unklar, wer die Kliniken kaufen wird. Stiftungschef Bielefeld bestätigte gegenüber der "Ärzte Zeitung", dass es "selbstverständlich eine Reihe privater Interessenten" gebe. (cben)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Unterwegs mit dem ADAC-Ambulanzjet

Wer auf Auslandsreisen krank wird, der ist froh, wenn schnelle Hilfe naht. Besonders zügig geht das mit einem Ambulanzjet - etwa vom ADAC. mehr »

Ein Besuch auf der Messe "Medicare Taiwan"

Taiwans Medizintechnikunternehmen gelten als Powerhouse - und sie suchen den Schulterschluss mit internationalen Partnern. Die "Medicare Taiwan" ist DER Branchentreff – ein Fachmessebesuch in Taipeh. mehr »

Extra-Vergütung für offene Sprechstunden

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will Ärzte für offene Sprechstunden besser bezahlen. Die zusätzliche Vergütung soll es auch dann geben, wenn Ärzte Termine über die Terminservicestellen annähmen.. mehr »