Ärzte Zeitung online, 05.11.2013

Niederlande

Prozess gegen Skandalarzt begonnen

Diagnose Alzheimer - in vielen Fällen war sie falsch, so die Anklage im Prozess um einen Ex-Klinikarzt. Jetzt steht er dafür in den Niederlanden vor Gericht.

Von dpa

ALMELO. Im Beisein zahlreicher ehemaliger Patienten hat am Montag im niederländischen Almelo der Strafprozess gegen den Skandalarzt Ernst Jansen begonnen.

Der Neurologe, der auch jahrelang in Deutschland praktiziert hatte, soll bei Dutzenden Patienten Fehldiagnosen gestellt und ihnen dadurch schwere körperliche und seelische Schäden zugefügt haben.

Jansen folgte der Verlesung der Anklage konzentriert, aber äußerlich gelassen. Das Dossier der Anklage zu 21 mutmaßlichen Straftaten umfasst rund 25.000 Seiten.

Bei neun Patienten, die für diesen Strafprozess ausgewählt wurden, hatte er der Anklage zufolge absichtlich unheilbare Krankheiten wie Alzheimer festgestellt, obwohl dies nicht stimmte.

Bis zu zwölf Jahre Haft drohen

"Untersuchungsergebnisse, die seiner Diagnose widersprachen, ignorierte er", sagte Staatsanwältin Marjolein van Eykelen. Eine Frau hatte nach der falschen Diagnose schließlich Selbstmord begangen.

Im Gerichtssaal saßen zahlreiche ehemalige Patienten und ihre Angehörigen. "Es ist gut, dass es endlich beginnt", sagte ein älterer Mann.

Bei ihm hatte Jansen 2003 Alzheimer festgestellt, obwohl er leichte Depressionen hatte. Der Angeklagte hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen.

Im wohl größten medizinischen Strafprozess der Niederlande muss sich Jansen auch wegen Diebstahls, Urkundenfälschung und Veruntreuung verantworten. Bei einem Schuldspruch droht ihm eine Gefängnisstrafe von bis zu zwölf Jahren.

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