Ärzte Zeitung, 24.08.2017

Marktmacht

Monsanto-Deal: Kommission prüft genauer

BRÜSSEL. Die EU-Kommission hat erste Bedenken gegen die Übernahme des US-Saatgutherstellers Monsanto durch den Bayer-Konzern mitgeteilt. Bayer hatte das Fusionsvorhaben Ende Juni bei der Kommission angemeldet und einen Monat später Verpflichtungsangebote vorgelegt, um vorläufige Bedenken der Kommission zu zerstreuen. Deren Ansicht nach reichen diese Angebote aber nicht aus, "um ernsthafte Zweifel an der Vereinbarkeit des Zusammenschlusses mit der EU-Fusionskontrollverordnung zu zerstreuen". Die Kommission will die Übernahme jetzt eingehender prüfen und hat dazu 90 Tage Zeit. Spätestens Anfang Januar 2018 muss ein Beschluss ergehen.

Bedenken gegen die Übernahme hat die Kommission laut Mitteilung vom Dienstag derzeit vor allem in drei Bereichen:

- Im Pestizid-Geschäft ist Monsanto mit Glyphosat und Bayer mit Glufosinat-Ammonium aktiv. Dabei gebe es nur noch eine "begrenzte Zahl von Wettbewerbern", die in der Lage seien, neue Wirkstoffe zu entdecken und damit Alternativen zur "wachsenden Unkrautresistenz gegen etablierte Produkte" zu entwickeln.

- Eine marktbeherrschende Stellung könnte der Zusammenschluss auch im Saatgutgeschäft bringen. Das gelte insbesondere für Gemüsesaatgut, Rapssamen und Baumwollsaat.

- Zudem besitze Monsanto eine "weltweit vorherrschende Stellung" beim Design landwirtschftlicher Nutzpflanzen. Bayer sei bislang einer der wenigen Konkurrenten Monsantos auf diesem Gebiet.

Der World Wildlife Fund (WWF) begrüßte die Kommissions-Ankündigung der eingehenderen Fusionskontrolle. Es könne "nicht sein, dass Agrarchemiegiganten die Äcker der Welt unter sich aufteilen und quasi im Alleingang entscheiden, was Landwirte anbauen und Verbraucher essen müssen". Mit den Großfusionen der US-Unternehmen Dow Chemical und Dupont, von der Kommission im März dieses Jahres genehmigt, und kurz darauf der ebenfalls bereits freigegebenen Übernahme der Schweizer Syngenta durch Chem China sei bereits eine "besorgniserregende Machtkonzentration im Agrar-Business eingeleitet", kritisiert der WWF. (cw)

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